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    Autorin: Paula da Cunha Duarte (DE) eFin-Blog Farbe: hellblau Uncategorized

    Sprechen wir über Pix: Das brasilianische Instant-Payment-System und die Herausforderung der Geschlechtergleichstellung

    Das brasilianische Zahlungssystem Pix hat sich in nur wenigen Jahren in dem Land zur beliebtesten Zahlungsmethode entwickelt und wird auch in Diskussionen hierzulande als Erfolgsmodell gehandelt. Doch wie funktioniert Pix und wie steht es um seine Auswirkungen auf die finanzielle Inklusion, insbesondere jene von Frauen?

    Sprechen wir über Pix: Das brasilianische Instant-Payment-System und die Herausforderung der Geschlechtergleichstellung

    Ein Beitrag von Paula da Cunha Duarte

    22. April 2026

    Das brasilianische Zahlungssystem Pix hat sich in nur wenigen Jahren in dem Land zur beliebtesten Zahlungsmethode entwickelt und wird auch in Diskussionen hierzulande als Erfolgsmodell gehandelt. Doch wie funktioniert Pix und wie steht es um seine Auswirkungen auf die finanzielle Inklusion, insbesondere jene von Frauen?

    Auf einem Smartphone-Bildschirm ist ein Häkchen zu sehen.
    Erstellt mit Adobe Firefly.

    „Ich bezahle mit Pix“ ist ein Satz, den Brasilianer:innen jeden Tag sagen und hören. Vor fünf Jahren hätte dieser Ausdruck jedoch noch keinen Sinn ergeben. Alles begann im August 2020, als die brasilianische Zentralbank (Banco Central do Brasil, BCB) das Sofortzahlungssystem Pix einführte. Es ist rund um die Uhr verfügbar und ermöglicht es Privatpersonen, Unternehmen und staatlichen Stellen, Geld in nur wenigen Sekunden zu überweisen.

    Pix hat in Brasilien für einen grundlegenden Wandel gesorgt, indem es die Verbreitung von Bankkonten im Land gefördert und digitale Zahlungen zugänglicher und effizienter gemacht hat. Doch dieses Zahlungsinstrument wird selten unter geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten betrachtet. Die Ungleichheit der Geschlechter beim Zugang zu Finanzdienstleistungen bleibt in vielen Ländern eine große Herausforderung, und Brasilien bildet da keine Ausnahme. Um dieses Problem anzugehen, ist eine aktive Rolle der Finanzaufsichtsbehörden, wie der brasilianischen Zentralbank, bei der Förderung geschlechtssensibler regulatorischer Rahmenbedingungen erforderlich.

    Vor diesem Hintergrund lohnt es sich zu untersuchen, wie Pix zur finanziellen Inklusion von Frauen beitragen und die BCB eine Gender-Perspektive in ihre Agenda integrieren kann, um die Inklusion voranzutreiben und eine Verstärkung bestehender Ungleichheiten zu vermeiden.

    Doch zunächst: Was genau ist Pix und wie funktioniert es?

    Was ist Pix?

    Die brasilianische Zentralbank hat Pix ins Leben gerufen und betreibt die Infrastruktur hinter diesem Sofortzahlungsinstrument. Im Gegensatz zu Überweisungen, deren Abwicklung Stunden oder Tage dauern kann, oder Kartennetzwerken wie Visa oder Mastercard, die oft mit erheblichen Gebühren verbunden sind, bietet Pix eine schnellere und kostengünstigere Alternative. Transaktionen werden rund um die Uhr, auch an Wochenenden und Feiertagen, für Privatpersonen kostenlos und zu minimalen Kosten für Unternehmen abgewickelt.

    Die BCB hat Pix nicht nur geschaffen, sondern fungiert auch als dessen Regulierungs- und Aufsichtsbehörde. Sie ist daher für die Festlegung aller operativen und regulatorischen Regeln verantwortlich. Zwei davon waren für den Erfolg dieses Sofortzahlungssystems besonders entscheidend.

    Erstens verpflichtete die brasilianische Zentralbank große Finanzinstitute und Fintech-Unternehmen, Pix anzubieten, um dessen Einführung neben bestehenden Zahlungsmethoden (wie herkömmlichen Banküberweisungen oder Kartenzahlungen) sicherzustellen, die alle über die Bank- oder Fintech-Apps der Nutzer:innen verfügbar sind.

    Zweitens verbot die BCB den Instituten, Privatpersonen Gebühren für das Senden oder Empfangen von Geld zu berechnen – eine Regel, die wahrscheinlich einen Großteil der Beliebtheit von Pix bei den Brasilianer:innen erklärt. Gebühren fallen nur für Unternehmen an, wobei die Kosten pro Transaktion deutlich niedriger bleiben als die von traditionellen Vermittlern wie Kartennetzwerken.1Obwohl die Zentralbank vorschreibt, dass Pix für Privatpersonen kostenlos sein muss, überlässt sie es den Banken und Fintech-Unternehmen, eigene Gebühren für Geschäftstransaktionen festzulegen.

    Ein weiterer wichtiger Faktor für den Erfolg von Pix ist die einfache Registrierung und Nutzung. Die einzige Voraussetzung ist ein Girokonto bei einer Bank oder einem Fintech-Anbieter. Von dort aus registrieren sich Nutzer:innen, indem sie ihr Konto mit einem „Pix-Schlüssel“ verknüpfen, der eine Sozialversicherungsnummer, eine E-Mail-Adresse, eine Telefonnummer oder ein zufällig generierter Code sein kann. Der Schlüssel dient als einfache Kennung für das Konto, wodurch die Angabe vollständiger Bankdaten beim Senden oder Empfangen von Geld entfällt.

    In der Praxis ist die Nutzung von Pix unkompliziert. Um Geld zu senden, gibt die Nutzerin den Pix-Schlüssel des Empfängers (oder scannt einen QR-Code) in seiner Bank- oder Fintech-App ein, gibt den Betrag ein und bestätigt die Transaktion. Im Hintergrund wird die Zahlung sofort über die von der BCB für Pix geschaffene Infrastruktur weitergeleitet und innerhalb von Sekunden abgewickelt, sodass sie dem Empfänger umgehend zur Verfügung steht.

    Wie funktioniert Pix? Schaubild von Paula Duarte
    Quelle: Erstellt durch die Autorin.

    In den Jahren seit der Einführung hat die brasilianische Zentralbank Pix kontinuierlich weiterentwickelt und neue Funktionen eingeführt, die darauf abzielen, die Vielseitigkeit und Attraktivität des Systems zu steigern. Zusätzlich zu den traditionellen Sofortüberweisungen können Nutzer:innen nun Zahlungen für die Zukunft planen („Pix Agendado“), wiederkehrende Zahlungen einrichten („Pix Automático“) und auf Funktionen wie „Pix Saque“ und „Pix Troco“ zurückgreifen, die unter anderem Bargeldabhebungen in Einzelhandelsgeschäften ermöglichen.

    Obwohl die BCB das letzte Wort bei den Regeln hat, fördert sie auch das sogenannte „Pix-Forum“, einen Raum für den Dialog, in dem die Regulierungsbehörde mit anderen Marktteilnehmern wie Banken und Fintechs zusammenkommt, um neue Funktionen, Sicherheitsfragen und operative Verbesserungen zu erörtern. In der Praxis funktioniert dies als eine Form der partizipativen Governance.

    Im Allgemeinen müssen sich Banken und Fintechs an die neuen Funktionen und Regeln anpassen, die die Zentralbank für Pix eingeführt hat. Derzeit ist die einzige von diesen Institutionen entwickelte Funktion, die nicht von der BCB reguliert wird, die Möglichkeit, Zahlungen in Raten über Pix zu tätigen, ähnlich einem „Buy now, pay later“-Modell. Dies erweitert zwar den Zugang zu Krediten und kann Einkäufe bequemer machen, ist jedoch auch mit Zinsen verbunden. Dies wirft erhebliche Bedenken hinsichtlich der Erschwinglichkeit und des Verschuldungsrisikos auf, insbesondere für schutzbedürftigere Nutzer:innen, denen es möglicherweise schwerer fällt, die tatsächlichen Kreditkosten einzuschätzen und die Rückzahlungen zu bewältigen.

    Zu verstehen, wie Pix funktioniert, ist nur der erste Schritt. Der nächste Schritt besteht darin, seine Beziehung zur finanziellen Inklusion in Brasilien zu untersuchen.

    Pix und finanzielle Inklusion

    Finanzielle Inklusion wird oft auf den Besitz eines Bankkontos reduziert, obwohl ein Bankkonto nur der erste Schritt zum Zugang zum Finanzsystem ist. Echte Inklusion erfordert eine aktive und sinnvolle Teilhabe. Zwar gibt es keine einheitliche globale Definition, doch definiert ein weit verbreitetes Rahmenkonzept der Weltbank und der Global Partnership for Financial Inclusion (GPFI) finanzielle Inklusion als einen Zustand, in dem Einzelpersonen und Unternehmen Zugang zu nützlichen und erschwinglichen Finanzprodukten und -dienstleistungen haben, die ihren Bedürfnissen entsprechen und den Verbraucher:innen verantwortungsbewusst sowie von den Anbietern nachhaltig bereitgestellt werden.2Global Partnership for Financial Inclusion (November 2022): G20 Yogyakarta financial inclusion framework: Harnessing digitalization to increase productivity, sustainable and inclusive economy of women, youth and MSMEs. https://www.gpfi.org/news/g20-yogyakarta-financial-inclusion-framework.

    Die Förderung der finanziellen Inklusion ist eines der Hauptziele von Pix. In Brasilien hat das System durch eine Kombination verschiedener Faktoren tatsächlich zu diesem Ziel beigetragen. Seine Einführung im November 2020, auf dem Höhepunkt der COVID-19-Pandemie, fiel mit der Notwendigkeit der Regierung zusammen, Nothilfe an Millionen von Brasilianer:innen ohne Bankkonto zu verteilen, was die Eröffnung digitaler Konten bei Fintechs (z.B. Nubank, der größten Neobank des Landes) beschleunigte.

    Über den Pandemiekontext hinaus hat Pix den Nutzen dieser Konten erheblich gesteigert: Zum ersten Mal bot ein Konto bei einer digitalen Bank die gleichen Zahlungsfunktionen wie ein Konto bei einer traditionellen Bank. Darüber hinaus beseitigte die Tatsache, dass Pix für Privatpersonen kostenlos ist, eine wesentliche Hürde für Bevölkerungsgruppen mit geringerem Einkommen, die zuvor Überweisungen aufgrund der Kosten gemieden hatten.

    Zusammen gaben diese Faktoren Millionen von Brasilianer:innen einen konkreten Grund, zum ersten Mal in das Finanzsystem einzutreten. Während vor der Einführung von Pix weniger als die Hälfte der brasilianischen Bevölkerung ein Bankkonto hatte, war dieser Anteil bis 2025 auf etwa 90% gestiegen, ohne dass dabei geschlechtsspezifische Unterschiede zu verzeichnen waren. Pix hat sich zudem zur meistgenutzten Zahlungsmethode in Brasilien entwickelt und übertrifft damit Bargeld, Kreditkarten und Debitkarten.3Diese Daten können anhand der von der brasilianischen Zentralbank auf ihrer Website veröffentlichten Statistiken überprüft werden: https://www.bcb.gov.br/estatisticas/spbadendos?ano=2024. Dies stellt eine bemerkenswerte Leistung für ein Schwellenland mit über 200 Millionen Einwohner:innen dar.

    Pix hat zweifellos zur Förderung der finanziellen Inklusion beigetragen, doch wie trägt es dazu bei, über den bloßen Zugang hinauszugehen und die finanzielle Inklusion brasilianischer Frauen wirksam zu fördern?

    Geschlechtsspezifische Ungleichheit in Brasilien

    Laut dem 2025 vom Weltwirtschaftsforum veröffentlichten Global Gender Gap Report belegt Brasilien Platz 72 in der globalen Rangliste von 148 Volkswirtschaften (Deutschland liegt auf Platz 9).4Weltwirtschaftsforum (2025): Global Gender Gap Report 2025. https://reports.weforum.org/docs/WEF_GGGR_2025.pdf. Mehrere Faktoren erklären, warum das Land nicht besser platziert ist. Nehmen wir unbezahlte Arbeit als Beispiel: Im Jahr 2022 (laut neusten verfügbaren Daten) verbrachten weiße brasilianische Frauen 20,4 Stunden pro Woche mit Pflege- und Haushaltsaufgaben. Bei schwarzen Frauen steigt diese Zahl sogar noch höher, auf 22 Stunden. Männer hingegen verbrachten 11,7 Stunden pro Woche mit denselben Aufgaben, unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit.5Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística (IBGE, Brasilianisches Institut für Geografie & Statistik) (2022): Estatísticas de gênero: indicadores sociais das mulheres no Brasil (Geschlechterstatistiken: Soziale Indikatoren für Frauen in Brasilien). Tabelle 1.1.1 26 und 1.2.1. https://www.ibge.gov.br/estatisticas/multidominio/genero/20163-estatisticas-degenero-indicadores-sociais-das-mulheres-no-brasil.html.

    Das geschlechtsspezifische Lohngefälle zeigt ein ähnliches Bild. Im Jahr 2024 verdienten Frauen in Brasilien im Durchschnitt 20,9% weniger als Männer.6Ministério do Trabalho e Emprego (TEM, Ministerium für Arbeit und Beschäftigung) (2025): 3º Relatório de Transparência Salarial: mulheres recebem 20,9% a menos do que os homens (3. Bericht zur Lohntransparenz): Frauen verdienen 20,9% weniger als Männer. https://www.gov.br/mulheres/pt-br/central-de-conteudos/noticias/2025/abril/3o-relatorio-de-transparencia-salarial-mulheres-recebem-20-9-a-menos-do-que-os-homens. Diese Lücke hat reale Konsequenzen, denn niedrigere Gehälter erschweren es Frauen beispielsweise, Zugang zu Krediten zu erhalten und Darlehen aufzunehmen.

    Finanzkompetenz ist ein weiterer Teil des Puzzles. Brasilien erreicht bei der Finanzkompetenz 59,6 von 100 Punkten, was bereits eine Herausforderung für die Bevölkerung insgesamt darstellt. Frauen schneiden jedoch noch schlechter ab als Männer: mit 57,5 gegenüber 62,5 Punkten. Dieser Unterschied ist von Bedeutung, da er beeinflusst, wie Menschen finanzielle Entscheidungen treffen und ob sie sich sicher fühlen, Kredite in Anspruch zu nehmen.

    Und wenn wir die Indikatoren für finanzielles Wohlergehen allgemeiner betrachten, gibt es ebenfalls eine besorgniserregende Kluft:7Banco Central do Brasil (BCB, Zentralbank von Brasilien) & Fundo Garantidor de Crédito (FGC, Kreditgarantiefonds) (2023): Mensuração do letramento e da inclusão financeira (Messung der Finanzkompetenz und der finanziellen Inklusion). https://www.bcb.gov.br/content/cidadaniafinanceira/documentos_cidadania/letramento/relatorio-de-letramento-financeiro.pdf.

    • 29,2% der Frauen gaben an, dass finanzielle Probleme ihre Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen, gegenüber 18,4% der Männer;
    • 24,1% der Frauen gaben an, derzeit viele Schulden zu haben, während dies nur bei 15,8% der Männer der Fall war;
    • 38,7% der Frauen wiesen darauf hin, dass ihre finanzielle Situation ihre Fähigkeit einschränkt, Dinge zu tun, die ihnen wichtig sind, verglichen mit 31,3% der Männer.

    Ein Bankkonto ist der Einstieg in das Finanzsystem, doch echte finanzielle Inklusion geht darüber hinaus. Dieses umfassendere Verständnis von finanzieller Inklusion kann für Frauen besonders transformativ sein: Es fördert finanzielle Autonomie, die eng mit wirtschaftlicher Selbstbestimmung verbunden ist, und ermöglicht es Frauen, unabhängige Entscheidungen zu treffen, in Bildung oder Geschäftsmöglichkeiten zu investieren, für die Zukunft zu planen und sogar Situationen wirtschaftlicher Abhängigkeit zu verlassen.

    Pix und die finanzielle Inklusion von Frauen

    Vorhandene Erkenntnisse unterstreichen das Potenzial digitaler Finanzdienstleistungen (wie Pix) zur Ausweitung der finanziellen Inklusion von Frauen.8Toronto Centre (2018): Advancing women’s digital financial inclusion. https://www.torontocentre.org/media/acfupload/Advancing_Womens_Digital_Financial_Inclusion_Updated_Links_1_copy_1.pdf; World Bank Group (2021): Accelerating gender equality in digital development. Digital Development Note on Gender Equality; UNSGSA et al. (2023): Igniting SDG Progress through Digital Financial Inclusion – 2023 edition. Igniting_SDG_Progress_Through_Digital_Financial_Inclusion_2023_edition.pdf. Eine Untersuchung der Funktionen von Pix verdeutlicht, wie dieses Sofortzahlungssystem dazu beitragen könnte, die finanzielle Inklusion von Frauen zu verbessern und damit die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben.

    1. Keine Transaktionsgebühren für Privatpersonen

    Frauen sind überproportional von Einkommensungleichheit betroffen, verdienen 20,9% weniger als Männer und neigen tendenziell zu höherem finanziellem Stress. In diesem Zusammenhang ist eines der relevantesten Merkmale von Pix, dass Überweisungen von Person zu Person und von Person zu Unternehmen völlig kostenlos sind. Dies beseitigt eine echte Barriere: Frauen können am Finanzsystem teilnehmen, ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass Transaktionskosten ihr ohnehin schon knappes Budget weiter belasten.

    2. Verfügbarkeit rund um die Uhr

    Für Frauen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten stellt die Möglichkeit, Zahlungen über Pix jederzeit zu empfangen und sofort über das Geld zu verfügen, einen erheblichen Vorteil dar. Diese Flexibilität ist besonders wichtig für diejenigen, die mehreren Jobs nachgehen müssen, um ein Auskommen für sich und ihre Familien zu sichern. Wichtig ist, dass die Tatsache, dass Pix rund um die Uhr verfügbar ist, auch eng mit den beiden Aspekten verbunden ist, die im Folgenden erörtert werden: der schnelleren Auszahlung von Sozialleistungen und der Förderung weiblichen Unternehmertums.

    3. Schnellere Auszahlung von Sozialleistungen

    In Brasilien werden 51% der Haushalte von Frauen geführt. Darüber hinaus stellen Frauen die überwiegende Mehrheit der Begünstigten (84,2%) im größten Sozialhilfeprogramm des Landes dar, dem „Programa Bolsa Família“, das sich an Menschen in Armut und sozialer Benachteiligung richtet.

    Seit seiner Einführung wird Pix auch zur Auszahlung staatlicher Sozialleistungen genutzt, darunter auch für das „Programa Bolsa Família“. Da Zahlungen sofort und direkt auf die Konten der Nutzer:innen erfolgen können, trägt Pix dazu bei, Verzögerungen zu verringern und den Begünstigten sofortigen Zugriff auf die Gelder zu ermöglichen – was für Haushalte, die mit knappen Budgets und täglichen Ausgaben umgehen müssen, einen echten Unterschied machen kann.

    Zudem wird der Bezug dieser Leistungen einfacher und sicherer. Da weniger Bargeld abgehoben werden muss oder Fahrten zu Bankfilialen entfallen, können die Begünstigten lange Warteschlangen, Transportkosten und potenzielle Sicherheitsrisiken vermeiden. Dies ist besonders wichtig für Frauen, die aufgrund von Betreuungsaufgaben oft größeren Zeitdruck und Mobilitätsprobleme haben.

    4. Förderung weiblichen Unternehmertums

    Nach den neuesten verfügbaren Daten aus dem Jahr 2024 machen Frauen 34,1% der Unternehmer:innen in Brasilien aus, was etwa 10,4 Millionen Frauen entspricht. Ein erheblicher Anteil dieser Unternehmen wird eher aus der Not heraus betrieben. Im Vergleich zu männlichen Unternehmern verdienen Frauen tendenziell etwa 25% weniger, haben einen eingeschränkteren Zugang zu finanziellen Ressourcen und wenden rund 17% weniger Zeit für ihre Unternehmen auf, was im Wesentlichen auf ihre größere Beanspruchung durch Betreuungsaufgaben zurückzuführen ist.9Ministério do Desenvolvimento, Indústria, Comércio e Serviços (Ministerium für Entwicklung, Industrie, Handel und Dienstleistungen, MDIC) & Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) (2024): Panorama do empreendedorismo feminino no Brasil (Panorama des weiblichen Unternehmertums in Brasilien). https://www.gov.br/empresas-e-negocios/pt-br/empreendedor/elas-empreendem/panorama-do-empreendedorismo-feminino-no-brasil/estudo-do-empreendedorismo-feminino.pdf.

    In diesem Zusammenhang kann Pix eine wichtige Rolle spielen. Indem es den Bedarf an teuren Kartenterminals verringert und es Unternehmen ermöglicht, digitale Zahlungen einfach und sofort zu akzeptieren, kann es dazu beitragen, die Betriebskosten zu senken, die Gewinnmargen zu erhöhen und die Nachhaltigkeit der von Frauen geführten Unternehmen zu stärken.

    Zusammengefasst: Pix hat das Potenzial, über die Ausweitung des Kontenbesitzes hinausgehend die finanzielle Inklusion von Frauen weiter zu fördern. Doch angesichts der Tatsache, dass die Zentralbank sowohl als Regulierungsbehörde als auch als Betreiber:in fungiert, was kann sie noch tun, um diese Situation zu verbessern?

    Wo noch mehr getan werden kann

    Es gibt zwei Bereiche, die sich im Gegensatz zu den allgemeinen Vorteilen von Pix nicht nur als nachteilig für eine stärkere finanzielle Inklusion, insbesondere für Frauen, erwiesen haben, sondern auch bestehende Probleme verschärfen oder neue schaffen können:

    1. Finanzkompetenz und finanzielle Bildung.

    Da Pix den Zugang zu Finanzdienstleistungen erweitert, werden Maßnahmen zur Verbesserung der Finanzkompetenz unerlässlich. Wie bereits erwähnt, ist das Niveau der Finanzkompetenz in der brasilianischen Bevölkerung gering, wobei Frauen schlechter abschneiden als Männer. Doch diese Kluft beschränkt sich nicht auf die Finanzkompetenz; sie zeigt sich auch bei mehreren anderen Finanzindikatoren, wie z.B. geringere finanzielle Resilienz und größere Betroffenheit von finanziellen Notlagen.

    Eine Möglichkeit, diese Probleme anzugehen, besteht darin, Initiativen zur finanziellen Bildung zu stärken, um die Finanzkompetenz zu verbessern. Die Zentralbank hat in offiziellen Berichten bereits die Notwendigkeit anerkannt, spezifische Maßnahmen für Frauen umzusetzen, doch bisher wurden keine konkreten Schritte unternommen.

    2. Verbraucherschutz und Cybersicherheit.

    2025 belegte Brasilien weltweit den 7. Platz in Bezug auf gehackte Konten.10Surfshark (2026): Data breach monitoring. https://surfshark.com/research/data-breach-monitoring?country=br. Die brasilianische Zentralbank hat versucht, dieses Problem anzugehen, indem sie Ende 2023 neue Vorschriften zur Verschärfung der Sicherheitsanforderungen einführte.

    Ein weiteres großes Problem im Bereich des Verbraucherschutzes betrifft Cyberbetrug und Betrugsmaschen. Während die einfache und unmittelbare Nutzbarkeit von Pix den Brasilianer:innen erhebliche Annehmlichkeiten gebracht hat, hat sie auch die Anfälligkeit für Betrug erhöht. Obwohl die Zentralbank wichtige Schutzmechanismen eingeführt hat, ist das Bewusstsein nach wie vor begrenzt, und es mangelt an Studien mit nach Geschlecht aufgeschlüsselten Daten. Da Frauen weniger verdienen als Männer und im Allgemeinen unter größeren finanziellen Schwierigkeiten leiden, könnten sie unverhältnismäßig stark betroffen sein, wenn sie Opfer solcher Betrugsmaschen werden. Ein geschlechtssensibler Regulierungsansatz würde daher die systematische Erhebung und Analyse von nach Geschlecht aufgeschlüsselten Daten zu Betrug, Risikoexposition und Nutzungsmustern erfordern.

    Derzeit sind die von der Zentralbank für Pix entwickelten Sicherheitsstrategien zwar wichtig, bleiben jedoch weitgehend geschlechtsneutral und gehen nicht auf die spezifischen Bedürfnisse von Frauen ein. Die Einbeziehung eines geschlechtssensiblen Ansatzes in den Verbraucherschutz wäre ein entscheidender nächster Schritt. So könnten Risiken besser identifiziert werden, von denen Frauen überproportional betroffen sind, und gezielte Regulierungsmaßnahmen könnten untermauert werden.

    Fazit

    Pix veranschaulicht, wie ein einfaches, zugängliches und weit verbreitetes Zahlungssystem über die Ausweitung des Kontenbesitzes hinausgehen und eine umfassendere finanzielle Inklusion von Frauen fördern kann, indem es Barrieren abbaut, eine sinnvolle Nutzung von Finanzdienstleistungen ermöglicht und ihre Lebensbedingungen verbessert.

    Doch dieses Potenzial entfaltet sich nicht von selbst. In einem Kontext, der von anhaltenden geschlechtsspezifischen Ungleichheiten geprägt ist, ist die Einbeziehung einer Geschlechterperspektive in die regulatorische Tätigkeit der brasilianischen Zentralbank unerlässlich, um sicherzustellen, dass Pix nicht nur den Zugang erweitert, sondern auch zur Förderung der Geschlechtergleichstellung und zur Stärkung der vollständigen finanziellen Inklusion von Frauen beiträgt.

    Redaktionelle Notiz: Dieser Text wurde von der Redaktion aus dem englischen Original übersetzt. Das Original finden Sie hier: Let’s talk about Pix: The Brazilian instant payment system and the challenge of gender equality.

    Zitiervorschlag

    da Cunha Duarte, Paula (2026): Sprechen wir über Pix: Das brasilianische Instant-Payment-System und die Herausforderung der Geschlechtergleichstellung. In: eFin-Blog. https://zevedi.de/efinblog-pix-das-brasilianische-instant-payment-system-und-die-herausforderung-der-geschlechtergleichstellung/ [22.04.2026]. https://doi.org/10.83253/s47g-br35.

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    Profilfoto: Paula da Cunha Duarte

    Paula da Cunha Duarte
    ist Wissenschaftlerin und hat an der Fundação Getúlio Vargas Rio de Janeiro Law School (FGV Direito Rio) in Rechtswissenschaften promoviert. Sie ist assoziiertes Mitglied des Institute for International Political Economy (IPE) Berlin. In ihrer Forschung untersucht sie, wie Finanzaufsichtsbehörden die digitale und finanzielle Inklusion von Frauen fördern können, insbesondere in Brasilien.

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