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    Autor: Alexandra Keiner eFin-Blog Farbe: blau

    Integrationsversprechen und Zahlungsrealität: Was SEPA für Moldaus Diaspora bedeutet

    Mit der Aufnahme Moldaus in den SEPA-Raum ist nicht nur die Hoffnung auf eine weitere Annäherung des Landes an die Europäische Union, sondern auch auf weitere Impulse für die Modernisierung und Digitalisierung seiner Zahlungsinfrastruktur verbunden, nicht zuletzt auf günstigere und einfachere Überweisungen. Letztere wären gerade für die moldauische Diaspora ein entscheidender Fortschritt. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass bestehende strukturelle Hürden für Auslandsüberweisungen auch durch SEPA nicht vollständig verschwinden.

    Integrationsversprechen und Zahlungsrealität: Was SEPA für Moldaus Diaspora bedeutet

    Ein Beitrag von Alexandra Keiner

    02. April 2026

    Mit der Aufnahme Moldaus in den SEPA-Raum ist nicht nur die Hoffnung auf eine weitere Annäherung des Landes an die Europäische Union, sondern auch auf weitere Impulse für die Modernisierung und Digitalisierung seiner Zahlungsinfrastruktur verbunden, nicht zuletzt auf günstigere und einfachere Überweisungen. Letztere wären gerade für die moldauische Diaspora ein entscheidender Fortschritt. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass bestehende strukturelle Hürden für Auslandsüberweisungen auch durch SEPA nicht vollständig verschwinden.

    Ein Bankautomat in den Farben Blau und Gelb.
    Erstellt mit Adobe Firefly.

    Im März 2025 wurde die Republik Moldau in den SEPA-Raum (Single Euro Payments Area) aufgenommen. Der SEPA-Raum umfasst derzeit 36 Mitgliedsländer, darunter neben den EU-Staaten auch weitere Länder wie das Vereinigte Königreich, die Schweiz und Liechtenstein. Innerhalb dieses Raums können Überweisungen und Zahlungen nach einheitlichen technischen Standards und regulatorischen Anforderungen abgewickelt werden.

    Nur ein halbes Jahr später hatten acht moldauische Banken die technischen Voraussetzungen geschaffen, um am 6. Oktober 2025 die ersten SEPA-Überweisungen auszuführen. Der Start erfolgte in einem politisch aufgeladenen Umfeld: Eine Woche zuvor, am 28. September, gewann die pro-europäische Partei PAS überraschend die absolute Mehrheit bei den Parlamentswahlen. Nach angespannten Wochen politischer Konflikte und Wahlmanipulationsvorwürfen wurde die SEPA-Anbindung auch als Stabilisierungssignal wahrgenommen. Sie wird nicht nur als ein wichtiger Schritt zur Verbesserung und Digitalisierung des Zahlungsverkehrs gesehen, sondern auch als „historic moment for the national financial system and confirms the country’s European path“, so die Präsidentin der Nationalbank Moldaus, Anca Dragu.

    SEPA als europäische Zahlungsinfrastruktur

    SEPA wurde ab 2008 von europäischen Institutionen wie der European Commission und der European Central Bank gemeinsam mit der europäischen Bankenbranche, insbesondere dem European Payments Council, einem Zusammenschluss europäischer Banken zur Entwicklung von SEPA-Standards, entwickelt, um einen einheitlichen Rahmen für Euro-Zahlungen zu schaffen. Nach der Einführung der SEPA-Überweisungen 2008 und der Lastschriften im darauffolgenden Jahr wurde das System bis 2014 verbindlich im Euroraum umgesetzt und später auch darüber hinaus erweitert. Das SEPA-System legt einheitliche Regeln, Formate und Verfahren für Überweisungen und Lastschriften fest, etwa durch die Nutzung der IBAN und standardisierter Zahlungsprozesse, und schafft damit die Grundlage für einen digitalisierten und automatisierten Zahlungsverkehr. Auf dieser Basis werden Unterschiede zwischen inländischen und grenzüberschreitenden Zahlungen verringert.

    SEPA in der Praxis: Erste Entwicklungen in Moldau

    Die Nationalbank hat die ersten Monate nach der Integration ausgewertet und Zahlen veröffentlicht. Bereits rund 377.000 Transaktionen wurden abgewickelt. Über 1,2 Milliarden Euro flossen aus dem SEPA-Raum nach Moldau, gleichzeitig gingen rund 2 Milliarden Euro in die andere Richtung.

    Besonders sichtbar wird der Effekt bei den Kosten. Laut Nationalbank sind die Gebühren für Auslandsüberweisungen um bis zu 94 Prozent gesunken. Statt zuvor bis zu 20 Euro fallen heute meist nur noch Gebühren zwischen 0,50 und 5 Euro an. Insgesamt werden die Einsparungen durch das SEPA-System in den ersten fünf Monaten auf rund 6,1 Millionen Euro geschätzt. Laut der Präsidentin der Nationalbank verbessert dies die wirtschaftliche Situation sowohl für Moldauer:innen im Inland und in der Diaspora als auch für moldauische Unternehmen.

    SEPA und Auslandsüberweisungen der moldauischen Diaspora

    Dass SEPA die Gebühren für Auslandsüberweisungen deutlich senkt, ist auch ein wichtiges Versprechen für die große moldauische Diaspora. Viele Moldauer:innen leben und arbeiten im Ausland, vor allem in EU-Ländern, und unterstützen ihre Familien und Freunde regelmäßig finanziell. Auslandsüberweisungen, auch Rücküberweisungen genannt, spielen daher für die Republik Moldau eine zentrale Rolle. Sie machen rund 10,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, damit weist Moldau einen der höchsten Anteile von Rücküberweisungen am Bruttoinlandsprodukt in Europa auf.

    Trotz dieser Fortschritte zeigt sich jedoch, dass die Realität komplexer ist. Zwar kann SEPA dazu beitragen, Überweisungen stärker über formale Bankkanäle günstiger und sicherer abzuwickeln, doch nicht alle Migrant:innen profitieren gleichermaßen davon.

    Ein zentrales Problem bleibt der Zugang zum Bankensystem. Laut Weltbank verfügen nur etwa 64 Prozent der moldauischen Bevölkerung über ein Bankkonto. Für viele Migrant:innen, insbesondere in prekären oder informellen Beschäftigungsverhältnissen, ist es schwierig, überhaupt ein Konto zu eröffnen, sowohl im Ausland als auch in Moldau. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass es in Europa für Menschen ohne Staatsbürgerschaft oder mit Migrationshintergrund teilweise mit erheblichen Hürden verbunden sein kann, ein Bankkonto zu eröffnen.

    Hinzu kommen regulatorische Anforderungen, die durch SEPA nicht aufgehoben werden. Verschärfte Geldwäsche- und Compliance-Vorschriften, unter anderem als Reaktion auf Skandale wie den „Russian Laundromat“, bei dem über erfundene Schulden Milliardenbeträge über moldauische Banken ins Ausland transferiert wurden, führten dazu, dass Banken die Herkunft von Geldern aus und nach Moldau besonders streng prüfen. Was als notwendige Kontrolle gedacht ist, wirkt in der Praxis oft ausschließend. Gerade Moldauer:innen in der Diaspora sehen sich mit Anforderungen konfrontiert, die sie kaum erfüllen können. Selbst bei kleineren Überweisungen können zum Beispiel zusätzliche Nachweise, etwa Arbeitsverträge, verlangt werden, insbesondere bei neuen Konten oder als auffällig eingestuften Transaktionen. Das hat sich durch die Einführung von SEPA nicht geändert. Für Menschen in prekären oder informellen Arbeitsverhältnissen wird der Zugang zum Bankensystem dadurch nicht erleichtert, sondern erschwert.

    Die Zahlungsinfrastruktur bleibt zudem trotz SEPA fragmentiert, unter anderem weil Moldau weder Teil der EU noch des Euroraums ist. Viele moldauische Banken sind daher nicht direkt an SEPA angeschlossen, sondern nutzen dafür Korrespondenzbanken. Dadurch entstehen weiterhin zusätzliche Kosten, die mehrere Euro pro Transaktion betragen können. Darüber hinaus werden Wechselkurskosten durch SEPA nicht aufgehoben. Sobald überwiesene Beträge in moldauische LEI (MDL) umgerechnet werden, fallen weiterhin Gebühren an.

    Zudem lebt und arbeitet ein großer Teil der moldauischen Diaspora außerhalb des SEPA-Raums, insbesondere in Russland, was sich historisch durch geografische und sprachliche Nähe sowie enge wirtschaftliche Verflechtungen erklärt. Durch geopolitische Entwicklungen und den Ausschluss russischer Banken aus dem internationalen Zahlungssystem SWIFT im Jahr 2022 sind Rücküberweisungen von dort inzwischen stark eingeschränkt oder teilweise unmöglich geworden. Für die moldauische Diaspora ergibt sich damit ein widersprüchliches Bild: Während die SEPA-Integration Überweisungen für viele erleichtert, sind sie aus anderen Regionen deutlich erschwert worden oder gar nicht mehr möglich.

    Fazit

    Insgesamt eröffnet SEPA für Moldau neue Möglichkeiten, insbesondere für den Zahlungsverkehr zwischen Unternehmen, für Investitionen und für einen Teil der Diaspora. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass zentrale strukturelle Probleme im Bereich von Rücküberweisungen fortbestehen. SEPA reduziert Kosten und treibt die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs voran, verändert jedoch die grundlegenden Zugangsbarrieren und Ungleichheiten im Finanzsystem nicht. Es braucht daher ergänzende Lösungen, die insbesondere Menschen in prekären und informellen Beschäftigungsverhältnissen stärker einbeziehen und berücksichtigen, dass sich Migrationsrealitäten nicht immer mit politischen Zielsetzungen decken.

    Zitiervorschlag

    Keiner, Alexandra (2026): Integrationsversprechen und Zahlungsrealität: Was SEPA für Moldaus Diaspora bedeutet. In: eFin-Blog. https://zevedi.de/efinblog-was-sepa-fuer-moldaus-diaspora-bedeutet/ [02.04.2026]. https://doi.org/10.83253/76dn-c254.

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    Portrait Alexandra Keiner

    Alexandra Keiner
    ist Soziologin und forscht in der Forschungsgruppe Normsetzung und Entscheidungsverfahren am Weizenbaum-Institut zu Finanz- und Zahlungsinfrastrukturen und Migration. In ihrer Dissertation beschäftigt sie sich mit der Digitalisierung von Remittances, Auslandsüberweisungen von Migrant:innen an Verwandte und Freund:innen in den Herkunftsländern, und der Bezahlkarte für Asylbewerber:innen. Weitere Informationen hier.

  • ÜBER DEN BLOG
    Im Diskursprojekt eFin & Demokratie beobachten und diskutieren wir den digitalen Wandel in Sachen „Geld“. Das Finanz- und Staatswesen wird davon ebenso erfasst wie unser aller Alltag und Miteinander. Unser Blog versucht, die Umwälzungen zu verstehen und die Debatte zu fördern - auch als Teil unserer Demokratie. Es schreiben Mitarbeiter:innen des Projekts und Gäste in freier und diverser Form darüber, was sie lernen und erforschen, was sie beunruhigt und was sie fasziniert. Wir freuen uns über Kommentare unter efin@zevedi.de.

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