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    Akzentfarbe: gelbgrün Autor: Ludger Klein Verantwortungsblog

    Einsamkeit und Digitalisierung – Risiken und Chancen

    Das Internet verbindet die Welt – oder doch nicht? Vereinsamen Menschen an ihren digitalen Endgeräten? Wird Teilhabe verhindert, weil Dienste digitalisiert werden? Bringt Social Media die Menschen gegeneinander auf? Welche Zusammenhänge bestehen zwischen Einsamkeit und Digitalisierung? Welche Risiken gibt es zu bedenken, welche Chancen gilt es wahrzunehmen?

    Einsamkeit und Digitalisierung – Risiken und Chancen

    Das Internet verbindet die Welt – oder doch nicht? Vereinsamen Menschen an ihren digitalen Endgeräten? Wird Teilhabe verhindert, weil Dienste digitalisiert werden? Bringt Social Media die Menschen gegeneinander auf? Welche Zusammenhänge bestehen zwischen Einsamkeit und Digitalisierung? Welche Risiken gibt es zu bedenken, welche Chancen gilt es wahrzunehmen?

    Von Ludger Klein | 29.04.2026

    Eine Statue starrt auf ein Smartphone.
    Illustration erstellt mit Adobe Firefly

    Einsamkeit betrifft nahezu alle Bevölkerungsgruppen sowie Milieus in unserer Gesellschaft und die Digitalisierung durchdringt mittlerweile alle Lebensbereiche. Beide Bereiche weisen Schnittpunkte auf, an denen sich Wechselwirkungen ergeben.

    Dieser Beitrag – basierend auf Klein et al. (2024) – widmet sich einer Annäherung an die Zusammenhänge zwischen beiden Handlungsfeldern. Er orientiert sich an dem Spannungsbogen, der sich zwischen Chancen des Zusammenhalts und der Teilhabe einerseits sowie den Risiken von Spaltung und Ausgrenzung in unserer Gesellschaft andererseits ergibt.

    Einsamkeit beschreibt die individuell „wahrgenommene Diskrepanz zwischen gewünschten und tatsächlichen sozialen Beziehungen“ (Peplau/Perlmann 1981). Sie wird häufig als schmerzvoll und unangenehm empfunden und entsteht, wenn die eigenen sozialen Beziehungen als unzureichend wahrgenommen werden. Dies kann sich auf ihre Qualität – etwa bezüglich Verbindlichkeiten (Luhmann 2022) –, aber auch auf ihre Anzahl beziehen. Ihre Ursachen sind vielfältig, gehen in der Regel mit mangelnder sozialer Teilhabe einher und sind oftmals mit kritischen Lebensereignissen verknüpft, die Übergänge in der Biografie markieren. Ein Blick auf Gruppen mit hohem Risiko, Einsamkeit zu erfahren (von Armut betroffene Menschen, Menschen mit Migrationsbiografien, mit Fluchterfahrungen, queere Menschen u.a.) verweist ferner auf Zusammenhänge zwischen Einsamkeitsrisiko, sozialer Ungleichheit und Abweichung vom Mainstream; Einsamkeitserleben kann mit Diskriminierungserfahrungen einhergehen.

    Bedrohlich wird vor allem chronische Einsamkeit. Denn zunächst dient Einsamkeitserleben als Impuls, den Kontakt zu anderen zu suchen. Misslingt dies jedoch, kann eine Negativspirale in Gang gesetzt werden: Hieraus kann Misstrauen und eine erhöhte Aufmerksamkeit bezüglich negativer Deutungen sozialer Interaktionen resultieren. Dies wiederum kann zu Vermeidung sozialer Interaktion und Rückzug führen.

    Die Folgen von (chronischer) Einsamkeit sind vielfältig: Auf der individuellen Ebene kann Einsamkeit sowohl physisch als auch psychisch gravierende Folgen nach sich ziehen. Psychosozial hat sie Auswirkungen auf Verhalten, Denken und Erleben. Gesellschaftlich resultieren individuelle Folgen in höheren ökonomischen Kosten (vor allem im Gesundheits- und Pflegesektor), gefährdet Einsamkeit den sozialen Zusammenhalt und mindert politisches Engagement sowie prosoziales Verhalten. Kurzum: Einsamkeit geht uns alle an.

    In Behörden soll Digitalisierung zur Vereinfachung und Beschleunigung von Bearbeitungsprozessen beitragen. Zahlreiche alltägliche Dienstleistungen werden immer seltener am Schalter vor Ort angeboten (Online-Banking, der Ticketverkauf der Deutschen Bahn oder im ÖPNV an Automaten und/oder im Internet, Online-Shopping). Und in der Arbeitswelt erreicht Künstliche Intelligenz (KI) mehr und mehr Arbeitsbereiche.

    Digitalisierung verheißt die Schaffung und Erweiterung von Teilhabemöglichkeiten. Zugleich birgt sie aber auch Exklusionsrisiken: Vielen Menschen fehlt es vielerorts an einer Mindestausstattung mit digitaler Technik (etwa an WLAN, Hotspots, Endgeräten). Zudem ist in einer digitalen Gesellschaft ein Mindestmaß an digitaler Kompetenz eine Schlüsselqualifikation für die selbstbestimmte Gestaltung des Alltags sowie für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Noch immer sind etwa fünf Millionen Menschen in Deutschland offline (SIM-Studie 2024). Insbesondere der Mehrheit der über 60-Jährigen fehlt es an ausreichend digitaler Kompetenz und Souveränität (SIM-Studie 2024; D21-Digital-Index 2024/25). Laut Achtem Altersbericht (Deutscher Bundestag 2020; S. 108) meint digitale Souveränität den kompetenten, selbstbestimmten, sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Technologien.

    Jugendliche und junge Erwachsene erschließen sich über das Internet Zugänge zu Unterhaltung, zu Bildung und Information sowie Sozialisationsräume. In Deutschland verbringt die Mehrheit der Heranwachsenden täglich einen großen Teil ihrer Freizeit mit digitalen Medien. Dabei ist die Bildkommunikation in Form von Emojis, Fotos und Videos besonders attraktiv, weshalb WhatsApp, Instagram, TikTok und YouTube die beliebtesten Apps sind (Ziegler et al. 2024, S. 7).

    Studien zum Einfluss der Nutzung digitaler Medien deuten darauf hin, dass eine exzessive Nutzung sozialer Medien einen Risikofaktor für Einsamkeitsempfinden und soziale Isolation darstellt (Bücker 2024; Schobin et al. 2021). Augenfällig ist vor allem, dass zwanghafte Internetnutzung bisweilen zu ähnlichen Symptomen führen kann, wie sie intensive Einsamkeitsempfindungen nach sich ziehen können. Ferner sind im Kontext exzessiver Nutzung bei Jugendlichen oftmals Anzeichen einer Depression festzustellen; auch Depressivität und Einsamkeitsempfindungen sind miteinander verknüpft. Susanne Bücker (2024) stellt fest: Während „passives Browsen“ mit höherer Einsamkeit korreliere, sei die „aktive Nutzung“ Sozialer Medien (Versand von Nachrichten, Posten von Beiträgen) eher mit Wohlbefinden verbunden. Umgekehrt führe höheres Einsamkeitsempfinden verstärkt zum Rückzug ins Netz und damit zur Vermeidung sozialer Aktivitäten außerhalb der digitalen Welt.

    Eine Studie zu „Risiken und Chancen der Einsamkeit in der digitalen Lebens- und Arbeitswelt Sachsen-Anhalts“ (Ohlbrecht et al. 2022) kommt zu dem Schluss, dass insbesondere für Jugendliche und junge Erwachsene Soziale Medien das Einsamkeitsempfinden eher begünstigen können. Der digitale Raum werde zur Arena eines steten Wettbewerbs der Eitelkeiten, eines Wettbewerbs etwa um Likes bei Facebook, um optimale Körpermaße und Fitness. Infolgedessen verschiebe sich das gesellschaftliche Wertesystem, würden im digitalen Raum neue Ängste vor negativen Bewertungen geschürt und Gelegenheiten einer stressfreien, entspannten Teilhabe über das Internet eingeschränkt.

    Eine DAK-Studie kommt zu der Erkenntnis, dass etwa zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen sich an KI-Chatbots wenden, „um sich von negativen Gefühlen abzulenken, Einsamkeit zu lindern oder vertrauliche Dinge zu besprechen“. Etwa 33 Prozent von ihnen geben an, „einem Chatbot Dinge zu erzählen, die sie sonst niemandem oder nur engen Freundinnen und Freunden anvertrauen würden. Ebenfalls 33 Prozent sind der Meinung, dass ein Chatbot sie besser verstehe als ein echter Mensch“. Die Studie verweist auf die Entwicklung „parasozialer Beziehungen“.

    Hinsichtlich einer intersektionalen Analyse der Gruppe älterer Menschen ist mit Blick auf Offliner:innen festzustellen, dass neben dem Alter auch ein Zusammenhang mit Geschlecht (Offliner:innen sind eher weiblich), sozioökonomischem Status, Bildungsabschluss (Hauptschul- beziehungsweise Volksschulabschluss) sowie mangelnder digitaler Kompetenz besteht (Schobin et al. 2021). Die Altersgruppe mit der geringsten digitalen Kompetenz und daher mit dem höchsten, durch die Digitalisierung bedingten Exklusionsrisiko ist diejenige über 70.

    Was nun den Einfluss digitaler Medien auf das Einsamkeitsempfinden älterer Menschen betrifft, so sehen diese laut aktueller Studienlage in der Nutzung digitaler Medien vor allem eine Chance: Das Internet kann dazu beitragen, Kontakthürden zu überwinden und alternative Kommunikationsmöglichkeiten zu erschließen. Dementsprechend weisen ältere Menschen, die digitale Medien nutzen, ein geringeres Maß an Einsamkeitsempfindungen auf als diejenigen, die dies nicht tun (Schobin et al. 2021).

    Studien zu Zusammenhängen zwischen Einsamkeit, sinkendem Vertrauen in politische Institutionen liberaler Demokratien (Langenkamp 2021; Schobin et al. 2024) und politischer Radikalisierung (Neu/Küpper 2023) verweisen darauf, dass Einsamkeitserleben sowohl das Vertrauen in Mitmenschen senkt und – darüber vermittelt – auch das Vertrauen in politische Institutionen mindert (Schobin 2022). Zudem fördert Einsamkeitserleben die Offenheit gegenüber Verschwörungstheorien. Das kann Radikalisierungsprozessen Vorschub leisten. Neu und Küpper (2023) warnen etwa vor Zusammenhängen zwischen Einsamkeit und demokratiefeindlichen Ansichten sowie zwischen Einsamkeit und der Akteptanz von Gewalt. Daten des Sozioökonomischen Panels deuten bei Menschen mit erhöhten Einsamkeitsbelastungen auf eine Neigung zu Parteien an den Rändern des Parteienspektrums. Zur Klärung kausaler Zusammenhänge bedarf es jedoch dezidierterer Forschung und kontinuierlicher Beobachtungen.

    Da der digitale Raum zunehmend für radikale Agitation und Propaganda genutzt wird, sieht der Fachbeirat „Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen“ (DigiBäM 2023) dringenden Handlungsbedarf: Mit Blick auf eine Bedrohung durch „Fake News“ und „Hatespeech“ werde insbesondere mehr Medien- und demokratische Handlungskompetenz benötigt. Besonders wichtig erscheint die souveräne, verantwortungsvolle Nutzung digitaler Medien, was die Kompetenz voraussetzt, etwa auch Desinformationen und Hetze als solche zu erkennen und sich ihrer Weiterverbreitung zu widersetzen. Digitale Kompetenz umfasse demnach nicht nur technische Nutzungsfertigkeiten, sondern ebenso Medienkompetenz. Der Fachbeirat DigiBäM (2023) verweist mit Blick auf die gesellschaftspolitischen Auswirkungen von Prozessen der Digitalisierung und Datafizierung auf die Notwendigkeit politischer Bildung. Und umgekehrt sei politische Bildung ohne Medienbildung mittlerweile undenkbar.

    Die Einflussnahme von extremistischen Gruppierungen auf die politische Selbstverortung älterer Internet-Nutzer:innen ist bisher wenig erforscht. Müller und Hebbelmann (2024) zeigen in ihrer Studie zu Baden-Württemberg allerdings auf, dass Alter im Kontext lebenslangen Lernens keineswegs vor Radikalisierung schützt und (Rechts-)Extremismus älterer Menschen durchaus ein Risiko für Zivilgesellschaft und gesellschaftlichen Zusammenhalt darstellt.

    Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene werden von extremistischen Gruppierungen über das Internet zum Zweck der individuellen Meinungs- und politischen Willensbildung gezielt adressiert (Ziegler et al. 2024). Den Vorlieben dieser Zielgruppe(n) entsprechend finden sich – etwa auf Instagram, TikTok, YouTube und auf Gaming-Plattformen – in auf sie zugeschnittenen Formaten demokratie- und menschenfeindliche Positionen. Berührungspunkte zu Demokratie- und Menschenfeindlichkeit im digitalen Raum sind für junge Menschen niedrigschwellig erreichbar und liegen aufgrund der individuellen Nutzung digitaler Endgeräte außerhalb des Aufmerksamkeitsspektrums ihres unmittelbaren sozialen Umfelds (etwa von Eltern und Geschwistern) (ebd.).

    Schließlich tragen junge Nutzer:innen mitunter selbst durch ihre Zustimmung in Form von Likes und durch das Teilen solcher Nachrichten zur Verbreitung diskriminierender und extremistischer Inhalte bei. Bislang gibt es wenige Informationen dazu, in welchem Ausmaß Jugendliche und junge Erwachsene dies wissentlich und gezielt tun.

    Ein erstes Fazit legt nahe, dass digitale Technologien zur Prävention und Linderung von Einsamkeit älterer Menschen unverzichtbar sind, da sie bei der Erschließung von Gelegenheitsstrukturen zur Aufrechterhaltung und Schaffung sozialer Kontakte nützen. Es fehlt indes an empirischen Studien zur Nutzung digitaler Technologien durch Ältere. Die Nutzung digitaler Technologien durch jüngere Menschen geht hingegen offensichtlich mit höheren Risiken – etwa des Rückzugs in die digitale Welt, der Isolierung in der physischen Welt oder/und der Radikalisierung – einher.

    Deutlich wird vor allem ein erheblicher Forschungsbedarf in diesem Handlungsfeld. Insbesondere den komplexen Wechselwirkungen zwischen Einsamkeit, Digitalisierung und Radikalisierung sollte mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden, da sie für Zusammenhalt und Integration vs. Spaltung und damit für den Erhalt einer lebendigen, resilienten Demokratie relevant sind.

    Digitale Kompetenz umfasst auch die Befähigung zur kritischen Nutzung Sozialer Medien. Im politischen Handeln zu wenig fokussiert wird die hierfür erforderliche Bildung für alle Altersgruppen. Dies meint: Bildung zur Aneignung digitaler Kompetenzen, zum Erwerb selbstbestimmter Handlungskompetenz im digitalen Raum, zur Erschließung von Zugängen gesellschaftlicher Teilhabe und zur Sensibilisierung für Fallstricke, die im Netz, offen oder verdeckt, gespannt werden, sowie zum verantwortungsvollen Umgang mit angebotenen Informationen. Hier geht es um Bildung zum eigenen Nutzen, die letztlich auch Grundlage für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Demokratie sowie für ihre gemeinsame Ausgestaltung darstellt.

    Digitale Wege aus der Einsamkeit – Beispiele aus der Praxis
    Nachfolgend werden einige Beispiele aus der Praxis angeführt, die digitale Wege aus der Einsamkeit nutzen (siehe dazu auch Klein et al. (2024)). Zudem hat der KNE Salon 2024 eine digitale Reihe zum Schwerpunkt „Einsamkeit und Digitalisierung“ mit den Titeln „Einsamkeit und Digitalisierung“, „Einsamkeit (und Interventionen) in digitalen Welten“ und „Digitale Wege aus der Einsamkeit“ durchgeführt.

    Vermittlung digitaler Kompetenz und Souveränität
    Das Ziel der Vermittlung digitaler Kompetenz und Souveränität verfolgen verschiedene Initiativen und Organisationen. Durch den Digitalpakt Alter sollen digitale Technologien für ältere Menschen zugänglicher gemacht und auf die Vorteile sowie den Nutzen digitaler Technologien in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen aufmerksam gemacht werden. Dazu werden unter anderem derzeit 314 Erfahrungsorte gefördert und begleitet, die als Orte der Begegnung erste Berührungspunkte mit digitalen Technologien und den begleiteten Umgang mit ihnen ermöglichen.

    Der Digital-Kompass stellt kostenfreie Angebote für Senior:innen im Internet bereit. Zudem unterstützen „Internetlotsen“ ältere Menschen an deutschlandweit etwa 100 Standorten dabei, digitale Angebote selbst auszuprobieren. Auch bieten einige Bundesländer in extra hierfür aufgebauten Netzwerken Senior:innen ehrenamtliche, fachkundige Unterstützung beim Ausprobieren und der Nutzung digitaler Technologien.

    Zu Ansätzen sowie zur Konsolidierung einer „digitalen Radikalisierungsprävention“ mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen gibt die Handreichung von Ziegler et al. (2024) grundlegende Hinweise bezüglich erforderlicher organisatorischer Voraussetzungen und benötigter Ressourcen für die Einbeziehung digitaler Maßnahmen, zur Bestimmung und Erreichung der Zielgruppe, zur Konzeptentwicklung sowie zur Erhöhung von Akzeptanz und Bekanntheit des jeweiligen digitalen Angebots. Schließlich umfasst die Handreichung auch Anregungen zur Selbstreflexion der eigenen Praxis.

    Digitale Hilfs- und Unterstützungsangebote
    Luhmann und Kolleg:innen (2023) weisen in ihrer Studie darauf hin, dass junge Menschen, die von Einsamkeit betroffen sind, in entsprechenden digitalen Räumen (vor allem auf Online-Plattformen) erreicht werden können. Diese nutzen Angebote wie krisenchat für junge Menschen, die nicht wissen, wen sie adressieren sollen, bisher keine Hilfe gesucht haben und sich noch nie mit ihren Ängsten, Problemen und Sorgen an jemanden gewandt haben. Einsamkeit wird in etwa 10% der Chats explizit benannt.

    Auf Jugend Notmail erhalten junge Menschen kostenlos und niedrigschwellig professionelle Unterstützung bei Problemen und Sorgen. Ehrenamtliche Psycholog:innen und Sozialpädagog:innen mit Zusatzausbildung beraten und beantworten per Mail und Chat die Kontaktaufnahmen der Kinder und Jugendlichen.

    Digital Streetworker:innen sind in verschiedenen Online-Communitys sowie auf unterschiedlichen Plattformen präsent und sprechen gezielt junge Menschen an, die in ihren Beiträgen Unterstützungsbedarf signalisieren oder bestimmte Themen ansprechen. (Auch hierzu mehr Beispiele bei Klein et al. 2024.)

    Digitale Teilhabe- und Vernetzungsangebote
    Chancen der Digitalisierung liegen vor allem darin, dass digitale Plattformen eine Möglichkeit darstellen, um Menschen zusammenzubringen. So entstehen neue Formen der sozialen Interaktion, die es Menschen ermöglichen, unabhängig von örtlichen Distanzen und räumlichen Barrieren zu kommunizieren und in den Austausch zu gehen.

    nebenan.de etwa ist ein soziales Netzwerk für lebendige Nachbarschaften, das lokale Gemeinschaft und Vernetzung fördert. Die kostenlose Plattform ermöglicht Nachbar:innen, miteinander in Kontakt zu treten, sich gegenseitig zu unterstützen, gemeinsame Aktivitäten zu planen und sich auszutauschen.

    Das Projekt „Die Gute Stunde“ bietet interaktive Online-Kulturveranstaltungen für Kunst- und Kulturinteressierte an. Das Angebot richtet sich besonders an ältere Menschen, um ihnen ortsunabhängig kulturelle Teilhabe zu ermöglichen. Über eine Videokonferenz-Software werden vielfältige Kulturveranstaltungen übertragen und von Künstler:innen und Kulturschaffenden gestaltet. Das Programm umfasst diverse Formate sowie Konzerte, Lesungen, Kunstführungen und Filmvorführungen.

    Bücker, Susanne (2024): Einsamkeitserfahrungen von Jugendlichen. In: mediendiskurs, 28. Jg., 3/2024 (Ausgabe 109), S. 28–31. Online verfügbar unter: https://mediendiskurs.online/beitrag/einsamkeitserfahrungen-von-jugendlichen-beitrag-1191/, zuletzt geprüft am 22.04.2026.

    D21-Digital-Index 2024/25: Jährliches Lagebild zur Digitalen Gesellschaft. Eine Studie der Initiative D21 durchgeführt von Kantar. Online verfügbar unter: https://initiatived21.de/uploads/03_Studien-Publikationen/D21-Digital-Index/2024-25/D21_Digital_Index_2024_2025_final.pdf, zuletzt geprüft am 22.04.2026.

    Deutscher Bundestag (Hg.) (2020): Achter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland: Ältere Menschen und Digitalisierung, Drucksache 19/21650. Online verfügbar unter: https://www.achter-altersbericht.de/, zuletzt geprüft am 22.04.2026.

    DigiBäM (2023): Zivilgesellschaft nicht ohne ältere Menschen! Bildung für eine resiliente Demokratie. Positionspapier. Online verfügbar unter: https://www.digitalisierung-und-bildung-fuer-aeltere-menschen.de/fileadmin/user_upload/Positionspapier_Zivilgesellschaft_barrierefrei.pdf, zuletzt geprüft am 22.04.2026.

    Entringer, Theresa (2022): Epidemiologie von Einsamkeit in Deutschland. Hg. v. Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V./Kompetenznetz Einsamkeit. Online verfügbar unter: https://kompetenznetz-einsamkeit.de/download/2876/, zuletzt geprüft am 22.04.2026.

    Klein, Ludger; Dierkes, Mirjam; Schobin, Janosch 2024: Einsamkeit – Einblicke in Theorie und Praxis, Fokus Digitalisierung, Reihe KNE-Transfer; verfügbar auf der Website des KNE: https://kompetenznetz-einsamkeit.de/publikationen/kne-transfer/kne-transfer-03, zuletzt geprüft am 22.04.2026.

    Langenkamp, Alexander (2021): Lonely hearts, empty booths? The relationship between loneliness, reported voting behavior and voting as civic duty. In: Social Science Quarterly 102 (4), S. 1239–1254. Online verfügbar unter: https://doi.org/10.1111/ssqu.12946, zuletzt geprüft am 22.04.2026.

    Luhmann, Maike (2022): Definitionen und Formen der Einsamkeit. Hg. v. Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V./Kompetenznetz Einsamkeit. Online verfügbar unter: https://kompetenznetz-einsamkeit.de/download/2882/, zuletzt geprüft am 22.04.2026.

    Luhmann, Maike; Brickau, Debora; Schäfer, Bernd; Mohr Peter; Schmitz, Miriam; Neumann, Alicia; Steinmayr, Ricarda (2023): Einsamkeit unter Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen nach der Pandemie. Online verfügbar unter: https://www.land.nrw/media/31050/download, zuletzt geprüft am 27.04.2026.

    Müller, Tobias; Hebbelmann, Dennis (2024): RAGE BW – Rechtsextremismus im Alter als Gefahr für Engagement und Zusammenhalt in Baden-Württemberg. Projektbericht. Online verfügbar unter: https://www.researchgate.net/publication/380733933_RAGE_BW_Rechtsextremismus_im_Alter_als_Gefahr_fur_Engagement_und_Zusammenhalt_in_Baden-Wurttemberg_PROJEKTBERICHT, zuletzt geprüft am 22.04.2026.

    Neu, Claudia; Küpper, Beate (2023): Einsamkeit, Feindseligkeit und Populismus. In: Andreas Zick, Beate Küpper und Nico Makros (Hg.): Die distanzierte Mitte – Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2022/23. Bonn: Verlag J.H.W. Dietz Nachf., S. 335–354.

    Ohlbrecht, Heike; Ewert, Daniel; Weihrauch, Stephan (2022): Projektbericht – Risiken und Chancen der Einsamkeit in der digitalen Lebens- und Arbeitswelt Sachsen-Anhalts. Im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt. Online verfügbar unter: https://ms.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MS/MS/3_Digitalisierung/Digitalisierungsprojekte/Projektforschungsbericht_Einsamkeit_Ohlbrecht_OVGU_05.12.2023_final.pdf, zuletzt geprüft am 27.04.2026.

    Peplau, Letitia Anne; Perlmann, Daniel (1981): Towards a Social Psychology of Loneliness. In: Duck, W./ Glimour, R (Hg.): Personal Relationships in Disorder. London: Academic Press, S. 31-56.

    Schobin, Janosch; Haefner, Gonzalo; Eulert, Matthias (2021): Gesellschaftlicher Wandel und Einsamkeit. Hg. v. Landtag Nordrhein-Westfalen. Gutachten für die Enquetekommission IV „Einsamkeit“ – Bekämpfung sozialer Isolation in Nord rhein-Westfalen und der daraus physischen und psychischen Folgen auf die Gesundheit. Düsseldorf. Online verfügbar unter: https://www.landtag.nrw.de/files/live/sites/landtag-r20/files/Internet/I.A.1/EK/17._WP/EK%20IV/MMI17-365.pdf, zuletzt geprüft am 22.04.2026.

    Schobin, Janosch (2022): Einsamkeit, Gesellschaft und Demokratie: Einstellungen und Teilhabe. Hg. v. Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V./Kompetenznetz Einsamkeit. Online verfügbar unter https://kompetenznetz-einsamkeit.de/download/2872/, zuletzt geprüft am 22.04.2026.

    Schobin, Janosch; Gibson-Kunze, Martin; Arriagada, Céline (2024): Einsamkeitsbarometer 2024. Langzeitentwicklung von Einsamkeit in Deutschland. Hg. v. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Berlin. Online verfügbar unter: https://www.bmfsfj.de/ bmfsfj/service/publikationen/einsamkeits barometer-2024-237576, zuletzt geprüft am 22.04.2026.

    Schütz, Raphael; Bilz, Ludwig (2023): Einsamkeit im Kindes- und Jugendalter. Zur Verbreitung eines Risikofaktors für die psychische Gesundheit unter 11- bis 15-jährigen deutschen Schülerinnen und Schülern. In: Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz. DOI: 10.1007/s00103-023-03728-x.

    SIM-Studie 2024 (2025): Senior*innen, Information, Medien – Basisuntersuchung zum Medienumgang von Personen ab 60 Jahren in Deutschland. Hg. v. Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs). Online verfügbar unter: https://mpfs.de/studie/sim-studie-2024/, zuletzt geprüft am 22.04.2026.

    Ziegler, Isabell; Schmidt-Kleinert, Anja; Pape, Judith (unter Mitarbeit von Irina Volf und Alex Aßmann) (2024): Digitale Radikalisierungsprävention: Ansätze, Praxisbeispiele und Reflexionsanlässe. Handreichung der wissenschaftlichen Begleitung des Handlungsfelds Extremismusprävention im Bundesprogramm Demokratie leben! Hg. v. Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V., Frankfurt a.M. Online verfügbar unter: https://www.iss-ffm.de/fileadmin/assets/veroeffentlichungen/downloads/Digitale-Radikalisierungspraevention_Onlineversion__barrierefrei_.pdf, zuletzt geprüft am 22.04.2026.

    Klein, Ludger (2026): Einsamkeit und Digitalisierung – Risiken und Chancen. In: Verantwortungsblog. https://zevedi.de/einsamkeit-und-digitalisierung-risiken-und-chancen/ [29.04.2026]. https://doi.org/10.60805/vr4k-tm36.


    Dr. Ludger Klein,
    Sozialpsychologe und Soziologe, ist seit 2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) e.V. für den Arbeitsbereich „Zivilgesellschaft und Dritter Sektor“. In diesem Zusammenhang bearbeitet und begleitet er vor allem seniorenpolitische Projekte und ist Mitarbeiter des Kompetenznetz Einsamkeit (KNE) am ISS e.V.

  • Über den Blog
    Der ZEVEDI-Verantwortungsblog hat die Frage zum Gegenstand, wie gut es uns im Zusammenleben mit Digitaltechnologien geht. Er kommentiert die Ambivalenzen, die Steuerungsprobleme und die Vertretbarkeit des digitalen Wandels. Was an möglicherweise kritischen Technikfolgen (und Markteffekten) sollte man in den Blick nehmen und diskutieren? Wo sind Sorgen angebracht? Wie passt Digitalisierung zu Freiheit und Demokratie? Welche Regeln braucht eine digitale Gesellschaft? Wovon sollte – weil es kritisch werden könnte – die Rede sein?

    Es schreiben Autor:innen aus dem ZEVEDI-Netzwerk sowie Gäste darüber, was sie lernen und erforschen, was sie beunruhigt und was sie fasziniert.

    DOI: 10.60805/5c9w-7n74
    ISSN:  2943-9124

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