Wir geben alltäglich Geld aus. Die Forschung hat gute Einblicke, welche Bevölkerungsgruppen dafür welche Bezahlmöglichkeiten nutzen – Bargeld ist nur eine davon, aber mitnichten überholt! Dass es für viele Menschen gute Gründe gibt, nicht digital zu bezahlen, hat nicht nur, aber auch mit den Geschäftsmodellen von Banken und Bezahldienstleistern zu tun: Ihre Produkte nutzen vor allem gut ausgebildeten Menschen mit hohen Einkommen, Zinsen oder Gebühren treffen andere mitunter hart – sofern sie überhaupt Zugang haben zu digitalen Bezahlmethoden, denn auch das ist eine soziale Frage. Schaut man genau hin, wie digitales Bezahlen funktioniert, stellen sich Gerechtigkeitsfragen, werden unterschiedlichste Interessen offenbar, und tritt ein weiterer guter Grund zutage, mit Nachdruck an europäischen Bezahlsystemen zu arbeiten. Freilich merkt man der Debatte um beispielsweise den digitalen Euro an: für die meisten Befürworter steht die digitale Souveränität Europas im Fokus. Die vernachlässigten Themen der Sozialverträglichkeit und Inklusion beim Zahlungsvorgang selbst könnten aber mit der Einführung einer europäischen Lösung fürs digitale Bezahlen mit adressiert werden – sofern bei der konkreten Ausgestaltung die Interessen aller berücksichtigt werden.
Barbara Brandl ist Professorin für Wirtschaftssoziologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und arbeitet unter anderem zu sozialen Ungleichheiten in digitalen Bezahlpraktiken. Im Digitalgespräch erklärt die Expertin, wie digitales Bezahlen in unserer Gesellschaft organisiert ist, welche Möglichkeiten der Verbraucher dabei hat und wie sie sich unterscheiden, und warum Bargeld auch weiterhin große Bedeutung behält. Sie schildert, was Hürden bei der Einführung eines digitalen Euros sind, und was Europa aus Erfahrungen lernen kann, die andere Weltregionen mit digitalem Bezahlen bereits gemacht haben. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Brandl, an welche Grenzen der Verweis auf individuelle Verantwortung stößt, wenn es darum geht, sich unfairen Geschäftsmodellen zu entziehen, wem es nutzt, dass das Bezahlen zunehmend subtil mit der Aufnahme eines Konsumkredits verknüpft wird, und warum oft ausgerechnet die Personengruppen, die besonders von einem digitalen Euro profitieren könnten, angesichts seiner Ankündigung besonders skeptisch sind.
Folge 82: Digitalgespräch mit Barbara Brandl von der Goethe-Universität Frankfurt am Main, 4. August 2026
Mit Barbara Brandl von der Goethe-Universität Frankfurt am Main | 4. August 2026 | zur Folge
Folge 81: Kunstwerke als Mittel forschenden Nachdenkens über KI
Mit Mariya Dzhimova von der Hochschule für Musik und Theater München und der Hochschule München | 14. Juli 2026 | zur Folge
Folge 80: Moderne Robotik: Leistungssprünge durch KI
Mit Jan Peters von der Technischen Universität Darmstadt | 23. Juni 2026 | zur Folge
Folge 79: Der Blaue Engel für Software
Mit Anna Zagorski vom Umweltbundesamt | 2. Juni 2026 | zur Folge
Folge 78: Synthetische Daten: Was macht sie aus und wie kommen sie im KI-Training zum Einsatz?
Mit Sören Pirk von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel | 12. Mai 2026 | zur Folge
Folge 77: Generative KI und die Musikbranche: Die Musterklagen der GEMA
Mit Kai Welp von der GEMA | 31. März 2026 | zur Folge
Folge 76: Digitaler Zugang zu Kulturgütern
Mit Reinold Schmücker von der Universität Münster | 10. März 2026 | zur Folge
Folge 75: KI in der Diagnostik seltener Erkrankungen
Mit Michael von Wagner vom Universitätsklinikum Frankfurt am Main | 17. Februar 2026 | zur Folge
Folge 74: Mittels KI erzeugte Deepfakes: Was sagt die Rechtswissenschaft?
Mit Viktoria Kraetzig von der Goethe-Universität Frankfurt | 27. Januar 2026 | zur Folge
Folge 73: Social Media in der Hochschulkommunikation und der Ausstieg aus X
Mit Patrick Honecker von der Technischen Universität Darmstadt | 9. Dezember 2025 | zur Folge
Folge 72: Die Umsetzung des AI Act – wie wirkt die neue Verordnung sich aus?
Mit Domenik Wendt von der Frankfurt University of Applied Sciences | 18. November 2025 | zur Folge
Folge 71: Was sind und was leisten KI-Reallabore?
Mit Johannes Buchheim von der Philipps-Universität Marburg | 28. Oktober 2025 | zur Folge
Folge 70: Digitalisiertes Fahrrad: Welche Fortentwicklungen gibt es?
Mit Rainer de Mey von Riese & Müller | 7. Oktober 2025 | zur Folge
Folge 69: Lehren und Erfahrungen aus dem Cyber-Angriff auf die Uni Gießen
Mit Matthias Stenke von der Justus-Liebig-Universität Gießen | 16. September 2025 | zur Folge
Folge 68: Digitale Werkzeuge und die Archäologie
Mit Friederike Fless von der Freien Universität Berlin und dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI) | 5. August 2025 | zur Folge
Folge 67: Entwicklungssprünge, Zeitenwende und KI: Neues zum Quantencomputing
Mit Frank Wilhelm-Mauch von der Universität des Saarlandes und dem Forschungszentrum Jülich | 15. Juli 2025 | zur Folge
Folge 66: Was weiß man über "Internet-Sucht"?
Mit Anja Bischof von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universität zu Lübeck | 24. Juni 2025 | zur Folge
Folge 65: Wissen, Verantwortung, Effizienz: Der Arztberuf unter dem Einfluss „Künstlicher Intelligenz“
Mit Oswald Hasselmann von der Schweizerischen Gesellschaft für Biomedizinische Ethik | 3. Juni 2025 | zur Folge
Folge 64: Literatur vereinfachen – mit KI? Digitalität und kulturelle Teilhabe
Mit Thomas Kater von der Universität Münster | 13. Mai 2025 | zur Folge
Folge 63: Das Virtual Operations Support Team des THW: Internet-Einsätze im Zivil- und Katastrophenschutz
Mit Ralf Daniel vom Virtual Operations Support Team (VOST) des THW | 1. April 2025 | zur Folge
Folge 62: Schutz mittels Digital Services Act: Die Durchsetzung von Kinderrechten in digitalen Diensten
Mit Michael Terhörst von der Stelle zur Durchsetzung von Kinderrechten in digitalen Diensten (KidD) | 11. März 2025 | zur Folge
Folge 61: Digital Streetwork: Sozialarbeit in digitalen Räumen
Mit Christina Dinar von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin | 18. Februar 2025 | zur Folge
Folge 60: Weit mehr als Technik: Suchmaschinen verstehen
Mit Dirk Lewandowski von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg | 28. Januar 2025 | zur Folge
Folge 59: Was sind Berufsbilder und verändern sie sich durch Digitalität?
Mit Britta Matthes vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit | 26. November 2024 | zur Folge
Folge 58: Gesetze im „Digitalcheck“ und was daraus folgt: Verwaltung digitaltauglich aufstellen
Mit Stephanie Kaiser von der DigitalService GmbH des Bundes | 5. November 2024 | zur Folge
Folge 57: Dynamische digitale Strategien für den europäischen Sender ARTE
Mit Kemal Görgülü von ARTE GEIE | 15. Oktober 2024 | zur Folge
Folge 56: Tokenisierung von CO2-Zertifikaten: Blockchain für den Klimaschutz?
Mit Dominik Skauradszun von der Hochschule Fulda | 24. September 2024 | zur Folge
Folge 55: IT-Riesen und Softwaremonopole: Das Ringen der Hochschulen um digitale Souveränität
Mit Ramin Yahyapour von der Georg-August-Universität Göttingen und der Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung mbH Göttingen | 3. September 2024 | zur Folge
Folge 54: Infrastrukturen im Weltraum für die Digitalität auf der Erde
Mit Holger Krag vom Europäischen Raumflugkontrollzentrum (ESOC) | 13. August 2024 | zur Folge
Folge 53: Information und Desinformation – wie steht es um die Netzöffentlichkeit?
Mit Christian Stöcker von der HAW Hamburg | 18. Juni 2024 | zur Folge
Folge 52: KI und der Wert menschlicher Autorschaft: Der Kampf ums Urheberrecht
Mit Nina George vom European Writers‘ Council | 28. Mai 2024 | zur Folge
Folge 51: Kreatives Schreiben mit KI
Mit Jenifer Becker von der Universität Hildesheim | 7. Mai 2024 | zur Folge
Folge 50: Ein „Digitaler Zwilling“ aus Körperdaten? Auf dem Weg in die Gesundheitsvorsorge der Zukunft
Mit Malte Gruber von der Justus-Liebig-Universität Gießen | 16. April 2024 | zur Folge
Folge 49: Steuerfahndung mit Künstlicher Intelligenz: Panama, Pandora und mehr
Mit Christian Voß von der Forschungsstelle Künstliche Intelligenz (FSKI) am Finanzamt Kassel | 26. März 2024 | zur Folge
Folge 48: Der AI Act der EU: Wie er zustande kam und wie er KI reguliert
Mit Domenik Wendt von der Frankfurt University of Applied Sciences | 5. März 2024 | zur Folge
Folge 47: KI und Haftung: Wer steht ein für die Fehler Künstlicher Intelligenz?
Mit Carsten Gerner-Beuerle vom University College London | 13. Februar 2024 | zur Folge
Folge 46: Arena of IoT: ein Fußballstadion als digitales Reallabor
Mit Oliver Bäcker von EintrachtTech GmbH | 23. Januar 2024 | zur Folge
Folge 45: Digitale Forensik
Mit Felix Freiling von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg | 12. Dezember 2023 | zur Folge
Folge 44: Von Grundsatzdebatte bis Wahlkampf: Digital Kommunizieren in politischen Parteien
Mit Isabelle Borucki von der Philipps-Universität Marburg | 21. November 2023 | zur Folge
Folge 43: Digitalität und der demokratische Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
Mit Florian Hager vom Hessischen Rundfunk | 31. Oktober 2023 | zur Folge
Folge 42: Sensible Daten für die Wissenschaft: Weshalb ein Forschungsdatengesetz?
Mit Stefan Bender von der Deutschen Bundesbank | 10. Oktober 2023 | zur Folge
Folge 41: Modellieren, Simulieren, Optimieren – die Digitalisierung des Energienetzes
Mit Alexander Martin von der Technischen Universität Nürnberg | 19. September 2023 | zur Folge
Folge 40: Digitalisierte Landwirtschaft – das Beispiel Obstbau
Mit Christine Rösch vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) | 8. August 2023 | zur Folge
Folge 39: Lehren und Lernen nach der Pandemie: Der schwierige Umbau des digitalen Schulunterrichts
Mit Jan Marco Leimeister von der Universität Kassel | 18. Juli 2023 | zur Folge
Folge 38: Digitale Kunstwerke bewahren: eine Herausforderung für Museen
Mit Margit Rosen vom ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe | 27. Juni 2023 | zur Folge
Folge 37: Tageszeitungen: Wie verändern sie sich im digitalen Wandel?
Mit Carsten Knop von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung | 6. Juni 2023 | zur Folge
Folge 36: Wie es Computern gelingt, eigenständig mit Sprache umzugehen
Mit Chris Biemann von der Universität Hamburg | 16. Mai 2023 | zur Folge
Folge 35: Datenvielfalt handhabbar machen – das Beispiel Biodiversitätsforschung
Mit Barbara Ebert von der Gesellschaft für Biologische Daten e. V. | 4. April 2023 | zur Folge
Folge 34: Maschinelles Lernen im Umweltmonitoring
Mit Hanna Meyer von der Universität Münster | 14. März 2023 | zur Folge
Folge 33: Was können kleine und große Drohnen? Zur Automatisierung von Fluggeräten
Mit Uwe Klingauf von der Technischen Universität Darmstadt | 21. Februar 2023 | zur Folge
Folge 32: Digitales Kreditscoring: Wie Datenanalysen darüber entscheiden, wem man Geld leiht und wem nicht
Mit Katja Langenbucher von der Goethe-Universität Frankfurt am Main | 31. Januar 2023 | zur Folge
Folge 31: Biochemie trifft Informatik: Wie man digitale Daten in DNA speichern kann
Mit Robert Grass von der ETH Zürich | 20. Dezember 2022 | zur Folge
Folge 30: In die eigene finanzielle Zukunft schauen: Digitale Rententransparenz
Mit Andreas Hackethal von der Goethe-Universität Frankfurt a.M. | 29. November 2022 | zur Folge
Folge 29: Gaming-Kultur für alle: Szenen, Debatten und ein Milliardenmarkt
Mit Rae Grimm von Webedia Gaming GmbH | 8. November 2022 | zur Folge
Folge 28: Digitale Spielräume in der Musikproduktion
Mit David Waldecker von der Universität Siegen | 18. Oktober 2022 | zur Folge
Folge 27: Hacker-Attacken und IT-Management: Cyber-Risiken versichern
Mit Florian Salm von der Gothaer Allgemeine Versicherung AG und Ulrich Greveler von der Hochschule Rhein-Waal | 27. September 2022 | zur Folge
Folge 26: Seltene Rohstoffe und Elektroschrott: Über Materialität und Recyclingprobleme des Digitalen
Mit Mathias Schluep vom World Resources Forum | 6. September 2022 | zur Folge
Folge 25: Sterben, Trauern und Vermächtnis: Was ändert sich durch Digitalität?
Mit Stephan Neuser vom Bundesverband Deutscher Bestatter e. V. | 16. August 2022 | zur Folge
Folge 24: Was ist das Darknet und was passiert dort?
Mit Kai Denker von der Technischen Universität Darmstadt | 5. Juli 2022 | zur Folge
Folge 23: Hochleistungsrechnen zu Zukunftsfragen: Das Deutsche Klimarechenzentrum
Mit Thomas Ludwig vom Deutschen Klimarechenzentrum | 14. Juni 2022 | zur Folge
Folge 22: Open Source für die öffentliche Verwaltung: das Beispiel Schleswig-Holstein
Mit Marit Hansen, Landesbeauftragte für Datenschutz Schleswig-Holsteins | 24. Mai 2022 | zur Folge
Folge 21: Von Datenschutz zu Datensouveränität: informationelle Selbstbestimmung in der digitalen Gesellschaft
Mit Steffen Augsberg von der Justus-Liebig-Universität Gießen | 3. Mai 2022 | zur Folge
Folge 20: Von Cartoons zu Instagram: „Perfekte Bilder“ und das Körperverhältnis von Mädchen
Mit Maya Götz vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) des Bayerischen Rundfunks | 12. April 2022 | zur Folge
Folge 19: Verträge automatisieren? Was sind und was leisten „Smart Contracts“?
Mit Nikolas Guggenberger von der Yale Law School | 22. März 2022 | zur Folge
Folge 18: KI und Krieg: Verhandeln für eine UN-Konvention gegen tödliche autonome Waffensysteme
Mit Anja Dahlmann vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg | 1. März 2022 | zur Folge
Folge 17: Was ist Gaia-X?
Mit Boris Otto von der TU Dortmund und dem Fraunhofer ISST | 8. Februar 2022 | zur Folge
Folge 16: Cookies, AirTags, Metadaten: Wohin führt das Tracking?
Mit Matthias Hollick von der Technischen Universität Darmstadt | 25. Januar 2022 | zur Folge
Folge 15: Mit Physik rechnen: Quantencomputer in der Realität
Mit Frank Wilhelm-Mauch von der Universität des Saarlandes | 11. Januar 2022 | zur Folge
Folge 14: Vermitteln, voranbringen, ermöglichen: Wie macht eine Digitalministerin Politik?
Mit Kristina Sinemus, der Hessischen Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung | 14. Dezember 2021 | zur Folge
Folge 13: Likes, Bewertungen und smarte Assistenten – Risiken einer digitalen „Verbraucherdemokratie“
Mit Jörn Lamla von der Universität Kassel | 30. November 2021 | zur Folge
Folge 12: Von der Münze zum Token: Geld, Wert und Währung in der Digitalität
Mit Martin Diehl von der Deutschen Bundesbank | 16. November 2021 | zur Folge
Folge 11: Smarte Stadtentwicklung – was tun kommunale Unternehmen?
Mit Klaus-Michael Ahrend von der HEAG Holding AG | 2. November 2021 | zur Folge
Folge 10: Genetische Information im digitalen Zeitalter: Der Streit um das Nagoya-Protokoll
Mit Anna Deplazes Zemp von der Universität Zürich | 19. Oktober 2021 | zur Folge
Folge 9: Anspruch und Wirklichkeit: Wie steht es um den Datenschutz?
Mit Alexander Roßnagel, dem Hessischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit | 5. Oktober 2021 | zur Folge
Folge 8: Predictive Policing und die Folgen: Datenanalyse in der Polizeiarbeit
Mit Simon Egbert von der Universität Bielefeld | 21. September 2021 | zur Folge
Folge 7: DE-CIX und die Architektur des Internets
Mit Harald A. Summa von eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. | 7. September 2021 | zur Folge
Folge 6: Datenträger, Datendienste, Datenspuren: wissenschaftliche Bibliotheken und Verlage im digitalen Wandel
Mit Katrin Stump von der Universitätsbibliothek Braunschweig | 3. August 2021 | zur Folge
Folge 5: Datenchirurgie? Intelligente Technik im OP
Mit Stefanie Speidel vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Dresden | 20. Juli 2021 | zur Folge
Folge 4: KI in der Finanzwelt
Mit Florian Möslein von der Philipps-Universität Marburg | 6. Juli 2021 | zur Folge
Folge 3: Blockchain nach Bitcoin: Regeln in der Welt der Krypto-Token
Mit Sebastian Omlor von der Philipps-Universität Marburg | 22. Juni 2021 | zur Folge
Folge 2: Emotet & Co: der Kampf gegen Cyberkriminalität
Mit Linda Bertram von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität | 8. Juni 2021 | zur Folge
Folge 1: Überwachung messbar machen
Mit Ralf Poscher vom Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht | 26. Mai 2021 | zur Folge
Folge 0: Digitalgespräch - ab dem 26. Mai 2021
Ein Vorgeschmack auf das Digitalgespräch | 24. Mai 2021 | zur Folge
In der Vegetation des Darmstädter Waldfriedhofs stehen wir für diese Folge gemeinsam mit dem Rechtswissenschaftler Cederic Meier. Denn hier liegt das Grab von Georg Friedrich Knapp. Knapp hat mit seinem Buch „Staatliche Theorie des Geldes“ den zu seiner Zeit revolutionären Vorschlag unterbreitet, den Wert des Geldes in der Geltung der staatlichen Gesetzgebung zu suchen. Eine seiner Kernthesen lautete: „Das Geld ist ein Geschöpf der Rechtsordnung.“ Für uns ist es ein Anlass, um auf die neuen Entwicklungen des digitalen Euros sprechen zu kommen.
Gerade, am 9. Juli, haben die Abgeordneten des Europäischen Parlaments nach langer Verzögerung mit einer deutlichen Zweidrittel-Mehrheit für einen Rechtsrahmen votiert, der es der EZB ermöglicht, digitales Zentralbankgeld für Bürger in der Eurozone in Umlauf zu bringen. Wir diskutieren, welchen Weg der Digitale Euro von nun an gehen könnte, bis er 2029 voraussichtlich von der EZB emittiert wird, fragen, wie die Widerstände von Geschäftsbanken und privaten Akteuren gegen den Digitalen Euro zu interpretieren sind und vertiefen Streitthemen wie etwa das Haltelimit.
Am Grab von Knapp stehend, tasten wir uns in Richtung der Frage: Nimmt der Staat oder die Europäische Union eine Position der Stärke ein, wenn es um Fragen der Geldpolitik geht, und wie zeigt sich das im langwierigen Prozess der Einführung des Digitalen Euros?
Digitalgelddickicht Update Digitaler Euro | 15. Juli 2026
Digitales Geld, starkes Europa – Neue Wege zu geopolitischer Unabhängigkeit. Veranstaltung des ZEVEDI-Diskursprojektes Demokratiefragen des digitalisierten Finanzsektors in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Frankfurt und in Medienpartnerschaft mit hr info, 26.02.2026.
Überwachungsstaat, Staats-Krypto und Bargeldende: Die Diskussion um den digitalen Euro und die Gestaltungsoptionen
Ein Beitrag von Valeryia Arnold & Nils Urbach
03. Juni 2026
Die Diskussion um den digitalen Euro ist geprägt von unterschiedlichen Meinungen, vereinfachenden Annahmen und zugespitzten Aussagen. Doch diese prägen das Meinungsbild stärker als die tatsächlichen Gestaltungsfragen. Ein Blick auf die Fakten zeigt: Die Debatte greift häufig zu kurz.
Von Valeryia Arnold erstellt mit Adobe Firefly.
Wie stark diese verkürzte Perspektive die Diskussion bestimmt, zeigt sich besonders deutlich an Fragen, die immer wieder im Zusammenhang mit dem digitalen Euro auftauchen:
„Schafft die Europäische Zentralbank (EZB) mit dem digitalen Euro langfristig das Bargeld ab?“
„Wird der digitale Euro zum Instrument staatlicher Überwachung?“
„Wird die EZB mit dem digitalen Euro zur Konkurrenz für Geschäftsbanken?“
„Ist der digitale Euro am Ende nur eine staatliche Kryptowährung?“
Solche hypothetischen Fragen sind eingängig, leicht verständlich, und genau deshalb prägen sie die öffentliche Wahrnehmung so stark. Nicht selten führen sie zu einer kritischen, mitunter auch ablehnenden Haltung gegenüber dem digitalen Euro. Das Problem ist dabei jedoch nicht, dass diese Aussagen völlig falsch wären. Sie sind eben nicht aus der Luft gegriffen. Blickt man auf andere Central Bank Digital Currency- also CBDC-Projekte oder bestimmte mögliche Ausgestaltungen, können einzelne dieser Aspekte durchaus zutreffen. Genau darin liegt jedoch die eigentliche Verzerrung: Aus möglichen Eigenschaften wird ein allgemeines Narrativ. Was theoretisch denkbar ist, gilt in der Debatte schnell als gegeben. Was in anderen Kontexten erprobt oder diskutiert wird, wird dabei oft unreflektiert auf den europäischen Kontext übertragen.
Auf diese Weise verschiebt sich der Fokus – weg von konkreten Gestaltungsentscheidungen hin zu vereinfachten Schlagworten.
Gerade deshalb lohnt sich ein genauerer Blick auf die technologischen Grundlagen der Debatte – auf die Gestaltungsoptionen, die tatsächlich im Raum stehen. Denn entscheidend ist nicht, was in der öffentlichen Diskussion unterstellt wird, sondern was technologisch möglich ist, konkret diskutiert wird und unter den aktuellen Rahmenbedingungen als realistisch gilt. Um diese technologischen Grundlagen greifbar zu machen, stellt sich zunächst eine zentrale Frage: Wie lassen sich solche komplexen Systeme überhaupt sinnvoll strukturieren?
Die Architektur digitaler Zentralbankwährungen
Digitale Zentralbankwährungen sind im Kern komplexe digitale Anwendungen. Um solche Systeme zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf Ansätze aus der IT-Architektur. Ein häufig genutztes Prinzip ist dabei die Schichtenarchitektur, bei der Systeme in verschiedene Ebenen mit klar abgegrenzten Aufgaben unterteilt werden. Die oberen Ebenen liegen näher an den Nutzern und ihren Anforderungen, während die unteren Ebenen die technische Umsetzung und Datenverarbeitung abbilden. Genau dadurch wird sichtbar, wie politische, regulatorische oder funktionale Anforderungen schrittweise in konkrete technische Mechanismen übersetzt werden. Gerade im Zusammenhang mit digitalen Zentralbankwährungen schafft diese Perspektive eine sachlichere Grundlage für die öffentliche Debatte. Viele Fragen rund um den digitalen Euro lassen sich letztlich nur beantworten, wenn man betrachtet, welche technologischen Möglichkeiten tatsächlich vorgesehen sind und wie diese umgesetzt werden könnten. Die Analyse der Architektur hilft deshalb, technische Fakten stärker in den Mittelpunkt zu rücken und zwischen realistischen Ausgestaltungen und hypothetischen Szenarien zu unterscheiden. Für die Konferenz „The Digital Euro – Which Ways Forward?“ der ZEVEDI-Projektgruppe Die normativen Dimensionen des digitalen Euro (DINO) haben wir ein Tool entwickelt, um diese Ebenen und damit die Konsequenzen der Gestaltungsoptionen sichtbar zu machen. Nach der Analyse zahlreicher CBDC-Projekte und Forschungsbeiträge lassen sich vier zentrale Ebenen identifizieren: Zugang, Kontrolle, Geschäftsmodell und Daten. Diese vier Ebenen helfen uns im Folgenden, das Projekt des digitalen Euro anhand der EZB-Progress-Reports1European Central Bank:Progress on the preparation phase of a digital euro – third report, Frankfurt am Main: ECB, 2025. sowie des aktuell in Entwicklung befindlichen Scheme Rulebooks2European Central Bank: Update on the work of the digital euro scheme’s Rulebook Development Group, Frankfurt am Main: ECB, April 2025. einzuordnen und die realistischen Gestaltungsoptionen der öffentlichen Wahrnehmung gegenüberzustellen.
Von Valeryia Arnold erstellt.
Zugangsebene: Wie der digitale Euro in den Alltag kommen könnte – und warum das nicht das Ende von Bargeld bedeutet
Die Zugangsebene hilft dabei, Fragen rund um Alltagstauglichkeit, finanzielle Inklusion und die zukünftige Rolle von Bargeld beim digitalen Euro konkreter einzuordnen. Denn genau hier entscheidet sich, wie Nutzer eine digitale Zentralbankwährung im Alltag erreichen und verwenden können, wie inklusiv das System ausgestaltet ist und wie stark es sich an bestehende Zahlungsgewohnheiten orientiert. Auch die oft diskutierte Frage nach der Zukunft von Bargeld lässt sich nur verstehen, wenn man betrachtet, wie Ein- und Auszahlungen technisch vorgesehen sind und welche Zugangswege das System überhaupt bietet.
Technisch ist der Gestaltungsspielraum dabei klar definiert: Der Zugriff kann über Apps, Web-Anwendungen oder physische Träger wie Karten erfolgen. Zahlungen lassen sich manuell eingeben, per QR-Code auslösen oder kontaktlos übertragen. Gleichzeitig kann die Architektur vorsehen, dass digitale Guthaben aus Bargeld aufgeladen und wieder in Bargeld zurückgeführt werden können.
Für den digitalen Euro zeichnet sich dabei eine klare Richtung ab. Im Mittelpunkt steht der Zugang über vertraute digitale Anwendungen, ergänzt um verschiedene Formen der Zahlungsauslösung wie QR-Codes oder kontaktlose Verfahren. Ziel ist nicht, ein völlig neues Nutzungsverhalten anzuregen, sondern die Integration in bestehende Zahlungsgewohnheiten sowie die Schaffung einer zusätzlichen europäischen Zahlungsinfrastruktur neben bestehenden, häufig von außereuropäischen Anbietern dominierten Lösungen. Gleichzeitig bleibt der Bezug zu Bargeld in einem technischen Sinne erhalten. Gerade dadurch wird greifbarer, warum der digitale Euro aktuell eher als Ergänzung zum bestehenden Zahlungssystem konzipiert wird.
Kontrollebene: Wie Zahlungen mit dem digitalen Euro geprüft werden sollen – und warum das nicht automatische Überwachung bedeutet
Kaum ein Vorwurf prägt die Debatte um den digitalen Euro so stark wie die Vorstellung eines umfassenden Überwachungsinstruments. Genau deshalb ist die Kontrollebene für die öffentliche Diskussion besonders relevant. Denn hier entscheidet sich, unter welchen Bedingungen Zahlungen durchgeführt werden können, welche Daten dafür benötigt werden und wie sichtbar Transaktionen innerhalb des Systems sind. Technisch existiert hier ein breiter Gestaltungsspielraum. Nutzer können vollständig identifiziert werden oder nur abgestuft, kleinere Zahlungen können geringeren Anforderungen unterliegen und Transaktionen können vollständig online, vollständig offline oder als Kombination aus beiden Ansätzen verarbeitet werden. Gleichzeitig können Daten unterschiedlich verarbeitet und voneinander getrennt werden. Entscheidend ist dabei nicht nur, welche Informationen existieren, sondern welche Akteure tatsächlich Zugriff darauf erhalten.
Für den digitalen Euro zeichnet sich dabei wieder ein klarer, stark an bestehenden Systemen orientierter Ansatz ab. Nutzer sollen ähnlich wie heute über Banken oder Zahlungsdienstleister identifiziert werden. Auch viele regulatorische Prüfungen, etwa zur Geldwäscheprävention, würden weiterhin von diesen Intermediären übernommen werden, ähnlich wie im heutigen digitalen Zahlungsverkehr. Gleichzeitig ist vorgesehen, dass Teile bestimmter Daten auch auf Ebene der europäischen Zentralbanken, also des Eurosystems, gespeichert werden, da Nutzer einen direkten Anspruch gegenüber der Zentralbank halten sollen und dieser technisch nachvollziehbar bleiben muss. Genau an dieser Stelle spielen jedoch die vorgesehenen Schutzmechanismen eine zentrale Rolle. Geplant ist insbesondere eine Trennung zwischen Identitätsdaten und Transaktionsdaten sowie der Einsatz starker Verschlüsselungsverfahren. Technisch bedeutet das: Die Zentralbank soll nicht automatisch vollständige Einblicke in das Zahlungsverhalten einzelner Nutzer erhalten. Die Logik ähnelt dabei in Teilen dem heutigen System zwischen Geschäftsbanken und Zentralbank. Werden heute Zahlungen zwischen Banken abgewickelt, verarbeitet die Zentralbank zwar bestimmte Kontoinformationen, kennt aber nicht automatisch die konkrete Identität hinter jeder einzelnen Kontoverbindung.
Gleichzeitig ist ein abgestuftes Prüfmodell vorgesehen: Größere Transaktionen sollen online und in Echtzeit überprüft werden, während kleinere Beträge auch offline abgewickelt werden können. Technisch orientiert sich diese Logik bewusst an Bargeld, da kleinere Zahlungen unmittelbarer und datenärmer möglich sein sollen als regulär geprüfte Transaktionen. Gerade dadurch wird die Einordnung des digitalen Euro greifbarer. Die technische Architektur zielt nicht auf maximale Sichtbarkeit aller Zahlungen, sondern auf eine differenzierte Verarbeitung abhängig vom jeweiligen Nutzungskontext.
Geschäftsmodellebene: Welche Rollen EZB und Geschäftsbanken künftig übernehmen sollen
Die Geschäftsmodellebene hilft dabei, eine der zentralen Fragen der Debatte besser einzuordnen: Welche Rollen sollen Zentralbank, Geschäftsbanken und Zahlungsdienstleister künftig im System des digitalen Euro übernehmen? Genau hier wird festgelegt, welcher Akteur für welche Aufgaben verantwortlich ist – etwa für Nutzerzugang, Zahlungsabwicklung, Identifizierung oder regulatorische Prüfungen. Dadurch schafft die Ebene Klarheit darüber, wie Verantwortlichkeiten innerhalb des Systems verteilt werden und welche technologischen Infrastrukturen die jeweiligen Akteure dafür einbringen.
Der Gestaltungsspielraum ist dabei groß. Digitale Zentralbankwährungen können vollständig zentral organisiert sein, sodass die Zentralbank selbst Nutzerkonten führt, Zahlungen verarbeitet und die direkte Schnittstelle zu Bürgern bildet. Ebenso sind stärker verteilte Modelle möglich, bei denen bestehende Intermediäre wie Geschäftsbanken und Zahlungsdienstleister zentrale operative Aufgaben übernehmen und ihre bestehenden Systeme in die Architektur integrieren.
Beim digitalen Euro deutet sich aktuell eine klare Arbeitsteilung an: Die EZB soll primär die grundlegende Infrastruktur und den digitalen Euro selbst bereitstellen, während Banken und Zahlungsdienstleister weiterhin die direkte Interaktion mit Nutzern übernehmen. Aufgaben wie Kundenbetreuung, Identifizierung, regulatorische Prüfungen oder Teile der Zahlungsabwicklung bleiben damit weitgehend bei bestehenden Marktakteuren. Dadurch orientiert sich die Architektur des digitalen Euro stark am heutigen Finanzsystem und baut auf bestehenden Rollen sowie etablierten technologischen Infrastrukturen auf.
Gerade dieser Punkt ist für viele Banken entscheidend. Die Sorge, die EZB könne mit dem digitalen Euro selbst zur Geschäftsbank werden und Einlagen in großem Umfang aus dem Bankensystem abziehen, wird durch die aktuell diskutierte Rollenverteilung bislang nicht gestützt. Zusätzlich sollen Haltelimits verhindern, dass größere Mengen an Einlagen kurzfristig in den digitalen Euro verschoben werden und dadurch Risiken wie digitale Bank Runs entstehen.
Datenebene: Welche Technologien hinter dem digitalen Euro stehen könnten
Die Datenebene bildet die technologische Grundlage des digitalen Euro. Während auf den vorherigen Ebenen definiert wird, wie Nutzer auf den digitalen Euro zugreifen, wie Zahlungen kontrolliert werden oder welche Akteure welche Aufgaben übernehmen, entscheidet sich hier, wie diese Anforderungen technisch umgesetzt werden können. Genau deshalb ist diese Ebene besonders relevant: Sie zeigt, wie überzeugend Funktionen wie Datenschutz, Offline-Zahlungen, Interoperabilität oder die Zusammenarbeit zwischen EZB, Banken und Zahlungsdienstleistern realisierbar sind.
Eine zentrale Frage lautet dabei: Wo werden Daten und Eigentumsansprüche gespeichert und wer verwaltet sie? Technisch können digitale Zentralbankwährungen vollständig kontobasiert organisiert sein, ähnlich wie heutige Bankkonten, oder stärker tokenbasiert funktionieren, d.h. digitale Werteinheiten existieren als eigenständige Datenobjekte auf digitalen Geräten, ähnlich einem digitalen Geldschein, und werden direkt von Gerät zu Gerät übertragen, ohne dass eine zentrale Stelle die Transaktion ausführen muss. Diese Entscheidung beeinflusst wiederum viele der zuvor diskutierten Funktionen. Kontobasierte Modelle passen stärker zu online geprüften Zahlungen und bestehenden Bankenstrukturen, während tokenbasierte Modelle insbesondere für Offline-Zahlungen relevant werden, da digitale Werte lokal gespeichert und direkt zwischen Nutzern übertragen werden können – ähnlich wie physisches Bargeld. Für den digitalen Euro deutet sich dabei aktuell ein hybrider Ansatz an. Größere und regulär geprüfte Zahlungen sollen weiterhin stark an bestehenden kontobasierten Strukturen orientiert bleiben. Gleichzeitig untersucht die EZB tokenbasierte Modelle insbesondere für Offline-Zahlungen. Auch bei der Datenverwaltung deutet sich bislang eher ein Ansatz an, der auf klar definierte Verantwortlichkeiten und bestehende Rollenverteilungen zwischen EZB, Banken und Zahlungsdienstleistern setzt.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Interoperabilität. Sie entscheidet darüber, wie gut sich der digitale Euro mit bestehenden Banken-, Karten- und Zahlungssystemen verbinden lässt. Technisch reicht das Spektrum hier von isolierten Systemen bis hin zu hoch standardisierten Infrastrukturen mit gemeinsamen Datenformaten und Schnittstellen. Für den digitalen Euro zeichnet sich dabei klar ab, dass die EZB möglichst stark auf bestehende europäische und internationale Standards aufbauen möchte, um eine hohe Kompatibilität mit existierenden Zahlungsinfrastrukturen zu erreichen. Im Mittelpunkt steht bislang also nicht die Ablösung bestehender Finanzinfrastrukturen, sondern deren gezielte Erweiterung um zusätzliche Funktionen wie Offline-Fähigkeit, interoperable Standards oder datenschutzfreundlichere Übertragungsmechanismen.
Fazit: Öffentliche Debatte und technologische Realität
Die Analyse der verschiedenen Ebenen zeigt vor allem eines: Viele der zentralen Aussagen rund um den digitalen Euro lassen sich in Hinblick auf die diskutierten Gestaltungsoptionen weder pauschal bestätigen noch eindeutig widerlegen. Sie hängen maßgeblich davon ab, wie einzelne Architekturentscheidungen tatsächlich gefällt werden. Genau deshalb greift die öffentliche Debatte häufig zu kurz. Aus theoretischen Möglichkeiten werden schnell allgemeine Narrative entwickelt, obwohl digitale Zentralbankwährungen sehr unterschiedlich gestaltet werden können.
Für den digitalen Euro zeichnet sich bislang kein radikaler Bruch mit bestehenden Strukturen ab. Vielmehr deutet sich eine Architektur an, die sich stark an heutigen europäischen Zahlungs- und Bankenstrukturen orientiert und diese um zusätzliche digitale Funktionen ergänzt. Gleichzeitig zeigen die aktuellen technologischen Überlegungen auch ein weiteres strategisches Ziel: Den Aufbau einer zusätzlichen europäischen Zahlungsinfrastruktur als Ergänzung zu bestehenden, häufig von außereuropäischen Anbietern dominierten Systemen. Die diskutierten Architekturentscheidungen – von Interoperabilität über bestehende Standards bis hin zur Einbindung etablierter Marktakteure – spiegeln genau diese Richtung wider.
Technologische Fragen ersetzen dabei keine politische oder gesellschaftliche Diskussion. Sie schaffen jedoch eine wichtige faktische Grundlage dafür, welche Entwicklungen tatsächlich realistisch erscheinen – und welche eher auf vereinfachten Annahmen oder hypothetischen Extremszenarien beruhen.
Redaktionelle Notiz zum Stand des politischen Prozesses von Erik Meyer
Voraussetzung für die Einführung eines digitalen Euro durch die Europäische Zentralbank ist eine legislative Grundlage seitens der gleichberechtigten Gesetzgeber der Europäischen Union (EU). Nachdem die EU-Kommission einen entsprechenden Legislativentwurf zum digitalen Euro vorgelegt hat und der Rat der Europäischen Union, in dem die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten vertreten sind, sich dazu – prinzipiell positiv – positioniert hat, steht zum Veröffentlichungszeitpunkt des vorliegenden Beitrags die Abstimmung über die Position des Europäischen Parlaments (EP) noch aus. Dessen Ausschuss für Wirtschaft und Währung berät bereits länger über eine betreffende Vorlage. Eine Einigung über alle zwischen den Akteuren der Fraktionen strittigen Aspekte ist bislang nicht öffentlich geworden. Inoffiziell gilt der Beginn der sitzungsfreien Zeit in der parlamentarischen Sommerpause als diesbezüglich relevanter Stichtag. Plenarsitzungen sind davor vom 6. bis zum 9. Juli 2026 anberaumt. Eine Verabschiedung ist die Voraussetzung für den Beginn der institutionellen Konsultation von Kommission, Ministerrat und Parlament, um eine inhaltliche Einigung zwischen diesen drei am EU-Gesetzgebungsprozess beteiligten Organen herbeizuführen. Der in diesem sog. Trilog ausgehandelte Kompromiss ist vorläufig und muss im Anschluss von Rat und EP formell verabschiedet werden, was meist ohne substantielle Änderungen geschieht. Unter den genannten Voraussetzungen wäre dann eine Entscheidung im Laufe dieses Jahres möglich. Davon abweichende Konstellationen würden sehr wahrscheinlich zu einer weiteren Verzögerung des Vorhabens führen.
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