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Digitales Kreditscoring: Wie Datenanalysen darüber entscheiden, wem man Geld leiht und wem nicht

Wenn wir ein Bankkonto eröffnen, einen Kredit beantragen oder einen Handyvertrag abschließen, werden wir in der Regel aufgefordert, einer Bonitätsprüfung zuzustimmen – zum Beispiel bei der Schufa. Wer einen solchen Score über uns anfordert, erhofft sich davon eine möglichst verlässliche Aussage darüber, ob wir wohl unseren finanziellen Verpflichtungen nachkommen werden. Aber wie kommt diese Aussage zustande? Big Data und Künstliche Intelligenz ermöglichen es, sich bei dieser Frage ganz neuer Strategien zu bedienen, mit denen individuellere, möglicherweise präzisere oder sogar „gerechtere“ Scores erstellt werden könnten. An diesem Punkt setzen FinTechs an, die – anders als die Schufa – für ihre Scores grundsätzlich unseren ganzen digitalen Fußabdruck nutzen könnten: Automatisierte Verfahren finden Muster und Korrelationen, mit denen sich Aspekte aller Lebensbereiche in Finanzdaten übersetzen lassen. Ob das Ergebnis, in das zusätzlich zu Einkommen und Zahlungsverhalten auch Musikgeschmack und Jogging-Route eingeflossen sind, immer mit der Realität übereinstimmt, ist die eine Frage – eine andere, ob dabei nicht auch persönliche Merkmale eine Rolle spielen, die eigentlich vom Diskriminierungsverbot betroffen sind. Denn, das zeigen Untersuchungen immer wieder: KI-Modelle scheinen sozial benachteiligte Gruppen systematisch zu diskriminieren. Und auch Kredithaie können je nach Rechtslage von dieser automatisierten Fortschreibung gesellschaftlicher Ungerechtigkeit profitieren.

Katja Langenbucher ist Professorin für Bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht und Bankrecht am House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Die Juristin forscht und lehrt unter anderem zu rechtlichen Fragen des Einsatzes Künstlicher Intelligenz im Finanzsektor. Im Digitalgespräch erklärt die Expertin, welche Überlegungen hinter der Entwicklung neuartiger KI-Modelle zur Bewertung von Kreditwürdigkeit stecken, wo dabei Regulierungsbedarfe entstehen aber auch, welche Probleme mit ihrer Hilfe bearbeitet werden können. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Langenbucher Unterschiede zwischen Anbietern von Scoring auch im internationalen Vergleich und welche Gerechtigkeitsprobleme auch auf Ebene der EU eine offene demokratische Debatte erfordern.

Folge 32: Digitalgespräch mit Katja Langenbucher von der Goethe-Universität Frankfurt am Main, 31. Januar 2023
Weitere Informationen:

Link zu Katja Langenbuchers Gastbeitrag „KI-basiert ermittelte Kreditausfallrisiken mit Vorsicht zu genießen“ in der Börsen-Zeitung: https://www.boersen-zeitung.de/kapitalmarktforschung/ki-basiert-ermittelte-kreditausfallrisiken-mit-vorsicht-zu-geniessen-91ff697a-673e-11ed-a8ee-76a419d2158f

Alle Folgen des Digitalgesprächs
Folge 0: Digitalgespräch - ab dem 26. Mai 2021
Ein Vorgeschmack auf das Digitalgespräch | 24. Mai 2021 | zur Folge»

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