Kategorien
podcast-de podcast-DG-de

Digitales Kreditscoring: Wie Datenanalysen darüber entscheiden, wem man Geld leiht und wem nicht

Wenn wir ein Bankkonto eröffnen, einen Kredit beantragen oder einen Handyvertrag abschließen, werden wir in der Regel aufgefordert, einer Bonitätsprüfung zuzustimmen – zum Beispiel bei der Schufa. Wer einen solchen Score über uns anfordert, erhofft sich davon eine möglichst verlässliche Aussage darüber, ob wir wohl unseren finanziellen Verpflichtungen nachkommen werden. Aber wie kommt diese Aussage zustande? Big Data und Künstliche Intelligenz ermöglichen es, sich bei dieser Frage ganz neuer Strategien zu bedienen, mit denen individuellere, möglicherweise präzisere oder sogar „gerechtere“ Scores erstellt werden könnten. An diesem Punkt setzen FinTechs an, die – anders als die Schufa – für ihre Scores grundsätzlich unseren ganzen digitalen Fußabdruck nutzen könnten: Automatisierte Verfahren finden Muster und Korrelationen, mit denen sich Aspekte aller Lebensbereiche in Finanzdaten übersetzen lassen. Ob das Ergebnis, in das zusätzlich zu Einkommen und Zahlungsverhalten auch Musikgeschmack und Jogging-Route eingeflossen sind, immer mit der Realität übereinstimmt, ist die eine Frage – eine andere, ob dabei nicht auch persönliche Merkmale eine Rolle spielen, die eigentlich vom Diskriminierungsverbot betroffen sind. Denn, das zeigen Untersuchungen immer wieder: KI-Modelle scheinen sozial benachteiligte Gruppen systematisch zu diskriminieren. Und auch Kredithaie können je nach Rechtslage von dieser automatisierten Fortschreibung gesellschaftlicher Ungerechtigkeit profitieren.

Katja Langenbucher ist Professorin für Bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht und Bankrecht am House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Die Juristin forscht und lehrt unter anderem zu rechtlichen Fragen des Einsatzes Künstlicher Intelligenz im Finanzsektor. Im Digitalgespräch erklärt die Expertin, welche Überlegungen hinter der Entwicklung neuartiger KI-Modelle zur Bewertung von Kreditwürdigkeit stecken, wo dabei Regulierungsbedarfe entstehen aber auch, welche Probleme mit ihrer Hilfe bearbeitet werden können. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Langenbucher Unterschiede zwischen Anbietern von Scoring auch im internationalen Vergleich und welche Gerechtigkeitsprobleme auch auf Ebene der EU eine offene demokratische Debatte erfordern.

Folge 32: Digitalgespräch mit Katja Langenbucher von der Goethe-Universität Frankfurt am Main, 31. Januar 2023
Weitere Informationen:

Link zu Katja Langenbuchers Gastbeitrag „KI-basiert ermittelte Kreditausfallrisiken mit Vorsicht zu genießen“ in der Börsen-Zeitung: https://www.boersen-zeitung.de/kapitalmarktforschung/ki-basiert-ermittelte-kreditausfallrisiken-mit-vorsicht-zu-geniessen-91ff697a-673e-11ed-a8ee-76a419d2158f

Alle Folgen des Digitalgesprächs
Folge 0: Digitalgespräch - ab dem 26. Mai 2021
Ein Vorgeschmack auf das Digitalgespräch | 24. Mai 2021 | zur Folge»

Alle ZEVEDI-Podcasts

Creative Commons Lizenzvertrag

Kategorien
podcast-de podcast-DG-de

In die eigene finanzielle Zukunft schauen: Digitale Rententransparenz

Wer hat ein Gefühl dafür oder weiß gar, wie die eigenen finanziellen Verhältnisse im Alter sein werden? Gerade, wenn die Rentenzeit noch einige Jahrzehnte vor uns liegt, scheint sie kaum planbar zu sein. Und so warten wir ab. Und wir schieben die Frage, ob unser Geld im Alter reichen wird, vor uns her – vielleicht besonders dann, wenn wir da eine Lücke fürchten. In der Tat machen sich viele Menschen nicht klar, dass sie selbst aktiv werden müssen, um ihr Auskommen im Alter zu ermöglichen. Und was könnte man überhaupt tun, sobald man das Problem einer „Rentenlücke“ erkennt? Das Lagebild ist ja komplex, denkt man an mögliche Versicherungen, Ersparnisse und Vermögenswerte. Auch Inflation und Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt spielen hinein. Das Feld scheint tatsächlich zu unübersichtlich für Laien – also ein typischer Fall für digitale Hilfsmittel. Lassen sich aus Daten, Randbedingungen und individuellen Faktoren Prognosen und sogar alternative Szenarien errechnen?

Andreas Hackethal ist Professor für Finanzen am House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt a.M. Der Wirtschaftswissenschaftler forscht zu Finanzen privater Haushalte und entwickelt an der Goethe-Universität eine aufwendige App, mit der die eigenen finanziellen Verhältnisse im Alter simuliert werden können – das „Rentencockpit“. Im Digitalgespräch erklärt Hackethal, warum es für viele Menschen so schwierig ist, sich ein klares Bild von der eigenen finanziellen Zukunft zu machen und wie eine App helfen kann, Wissenslücken zu schließen. Er beschreibt, wie das komplexe App-Projekt zustande kam und worauf es bei der Umsetzung ankommt. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Hackethal, wie digitale Rententransparenz Entscheidungen im Hier und Heute beeinflussen kann, welche Chancen sich dadurch für Individuen und Lebensgemeinschaften auftun – und welche politischen Folgen es haben kann, Rentenlücken transparent zu machen.

Folge 30: Digitalgespräch mit Andreas Hackethal von der Goethe-Universität Frankfurt a.M., 29. November 2022
Weitere Informationen:

Zum im Podcast besprochenen Artikel zum Rentencockpit in der Zeitschrift Brigitte: https://www.brigitte.de/academy/finanzen/rente-berechnen–so-geht-es-12798828.html

Alle Folgen des Digitalgesprächs
Folge 0: Digitalgespräch - ab dem 26. Mai 2021
Ein Vorgeschmack auf das Digitalgespräch | 24. Mai 2021 | zur Folge»

Alle ZEVEDI-Podcasts

Creative Commons Lizenzvertrag