Der Preis des Bezahlens: Wie Visa, Mastercard und Co. Europas Zahlungsverkehr prägen – und was sich mit dem digitalen Euro ändern kann
Ein Beitrag von Vincent Lindner & Denise Rößler
13. Mai 2026
Kartenzahlungen fühlen sich schnell, bequem und kostenlos an. Doch dieser Eindruck täuscht: Hinter einem Bezahlvorgang steckt ein komplexes und für Verbraucher:innen undurchsichtiges System aus Gebühren, die von Unternehmen auf alle Kund:innen umgelegt werden – unabhängig davon, wie sie tatsächlich bezahlen. Der digitale Euro bietet Abhilfe.

Die Zahlungslandschaft: Gleiche Preise, unterschiedliche Kosten
Für Privatpersonen lässt sich der Zahlungsverkehr heute in drei zentrale Bereiche unterteilen: Zahlungen an einem physischen Verkaufsort, Online-Zahlungen und Zahlungen zwischen Privatpersonen. In allen drei Bereichen zeigt sich ein klarer Trend hin zu digitalen Lösungen. Am Verkaufsort kann sowohl digital als auch bar gezahlt werden. Bargeld ist in Deutschland weiterhin verbreitet, allerdings geht seine Nutzung zurück, während Kartenzahlungen und mobile Wallets, wie Apple oder GooglePay, an Bedeutung gewinnen. Möchte man nur schnell Geld an eine Privatperson senden, haben sich Dienste sogenannter Zahlungsanbieter, wie PayPal, etabliert. Besonders dynamisch ist die Entwicklung im Online-Handel: Hier ist das Transaktionsvolumen mit Karten, Überweisungen und Internet-Bezahlverfahren in den letzten Jahren stark gestiegen. Mit Zahlungsanbietern, wie PayPal und Klarna, sind neue Akteure hinzugekommen. Doch während der Endpreis für Kund:innen immer gleich bleibt, unterscheiden sich die Kosten verschiedener Zahlungsmittel teilweise erheblich.
Grundsätzlich gilt: Für jede Zahlungsart, fallen bei Händler:innen Kosten an, die sogenannten Transaktionskosten. Kreditkartenzahlungen kosten in Deutschland im Durchschnitt 1,33% des Zahlungsbetrages, während Debitkarten deutlich günstiger sind (ca. 0,36%). Abbildung 1 zeigt eine vereinfachte Übersicht über die Transaktionskosten verschiedener Zahlungsmittel in Deutschland, basierend auf einer Analyse des Sachverständigenrats aus dem Jahr 2024. Dabei sind die Gebühren nicht transparent einsehbar. Die Darstellung beruht daher teilweise auf Schätzungen und Mittelwerten; die Bundesbank kommt zu geringfügig anderen Ergebnissen.
Abbildung 1: Transaktionskosten bei digitalen Bezahlvorgängen

Quelle: Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2024), Abb. 68. Vereinfachte Darstellung.
Die Girokarte stellt ein in Deutschland weitverbreitetes Debitkartensystem für Zahlungen an einem physischen Verkaufsort dar, das niedrige Transaktionskosten aufweist. Online-Zahlungen sind jedoch nicht möglich. Im Rahmen einer Girokarten-Transaktion fällt ein Autorisierungsentgelt von bis zu 0,2% des Umsatzes an, das dem kartenausgebenden Institut zufließt. Darüber hinaus entstehen zusätzliche Kosten für Netzbetreiber in Höhe von etwa 0,05%. Insgesamt bewegen sich die Gebühren somit im Durchschnitt bei rund 0,24% des jeweiligen Zahlungsbetrags.
Die unsichtbare Infrastruktur hinter jeder Zahlung
Bei anderen Debit- oder Kreditkarten unterscheidet man drei Arten von Kosten: das Interbankenentgelt, die Gebühr für das Kartensystem und die Gesamtgebühr (siehe Abbildung 2). Das Interbankenentgelt wird von der Händlerbank an die Kundenbank gezahlt und ist in der EU auf maximal 0,3% für Kredit- und 0,2% für Debitkarten beschränkt. Internationale Kreditkarten und Geschäftskarten sind von dieser Regelung ausgenommen, weshalb deren durchschnittliches Interbankenentgelt in Deutschland bei ca. 0,36% liegt. Außerdem zahlen sowohl die Händlerbank als auch die Kundenbank eine Gebühr an das Kartennetzwerk; in Deutschland liegt diese in der Regel bei ca. 0,1% des Umsatzes. Schließlich erhebt die Händlerbank gegenüber den Händler:innen eine Gesamtgebühr, in der verschiedene Kostenbestandteile gebündelt sind. Die Gesamtgebühr umfasst also das Interbankenentgelt, die Gebühren für die Nutzung des Kartensystems und zusätzlich eine durchschnittlich 0,06% hohe Gebühr der Händlerbank.
Abbildung 2: Aufschlüsselung der Gebühren bei Kartenzahlungen

Im Online-Handel ist es möglich, über SEPA-Überweisungen zu zahlen, die kaum Transaktionskosten beinhalten. Dies liegt daran, dass SEPA-Zahlungen über eine standardisierte, weitgehend öffentlich organisierte Zahlungsinfrastruktur zwischen Banken im europäischen Raum abgewickelt werden und keine zusätzlichen Akteure involviert sind. Schließlich gibt es für den Onlinehandel die Möglichkeit, die Zahlung über Zahlungsanbieter abzuwickeln. Diese Anbieter übernehmen die vollständige Abwicklung des Zahlungsprozesses und ermöglichen verschiedene Zahlungsarten, darunter Lastschriften, Überweisungen sowie Kredit- und Debitkartenzahlungen, Transaktionen über Guthaben und Kredite sowie Ratenzahlungen („Buy-Now-Pay-Later“).
So setzte sich der Standardtarif von PayPal 2025 beispielsweise aus einer festen Gebühr von 0,35 Euro je Transaktion und einem prozentualen Anteil von 2,49% des Zahlungsbetrags zusammen. Allerdings ist die tatsächliche Gebührenhöhe stark von verschiedenen Faktoren abhängig, etwa der Art der Transaktion, dem Zahlungsinstrument oder dem geografischen Kontext. Zusätzliche Aufschläge können bei grenzüberschreitenden Zahlungen oder Währungsumrechnungen anfallen. Zudem weichen die tatsächlich gezahlten Gebühren häufig von den ausgewiesenen Standardkonditionen ab, etwa aufgrund individueller Vereinbarungen. Somit ist die Gebührenstruktur von PayPal vergleichsweise komplex und aufgrund zahlreicher Ausnahmeregelungen und Differenzierungen nicht durch einen einheitlichen Satz abzubilden.
Zahlungsanbieter erzielen hohe Renditen durch marktbeherrschende Positionen
Zahlungsmärkte sind gekennzeichnet durch Netzwerkeffekte. Eine Zahlungsmethode ist nur dann attraktiv, wenn sie von vielen genutzt wird: Kund:innen wollen überall bezahlen können und Händler:innen akzeptieren vor allem verbreitete Verfahren. Daraus folgt: Je größer ein Anbieter ist, desto attraktiver wird er für Andere. Diese Dynamik führt dazu, dass sich wenige große Anbieter durchsetzen und den Markt dominieren – man spricht von einem Oligopol. Für neue Anbieter ist es besonders schwierig einzutreten, weil sie erst gleichzeitig viele Händler:innen und Kund:innen gewinnen müssten. Die etablierten Unternehmen profitieren dagegen von ihrer Größe und können ihre starke Marktposition langfristig sichern.
Wie stark diese Marktstellung ist, zeigt sich an den Gewinnen der dominierenden Anbieter: Zahlungsdienstleister erzielen deutlich höhere Renditen als klassische Banken. So lagen die durchschnittlichen Kapitalrenditen zwischen 2000 und 2022 in den USA bei etwa 4,3% und im Euroraum bei rund 2,3%, während Banken nur 0,9% bzw. 0,2% erreichten.
Doch wer zahlt das am Ende?
Für Kund:innen sind die Unterschiede der Zahlungsmethoden und verschiedenen Gebührenmodelle in der Regel undurchsichtig. Die Kosten werden zunächst von den Händler:innenn getragen und anschließend über den Preis an sie weitergegeben. Da diese Gebühren für Kund:innen meist nicht direkt sichtbar sind, beeinflussen sie die Wahl des Zahlungsmittels nur begrenzt.
Dadurch entsteht ein fragwürdiger Effekt: Eine Quersubventionierung von günstigen zu teuren Zahlungsarten. Kund:innen, die günstige Zahlungsmittel wie die Girokarte nutzen, tragen indirekt die höheren Kosten teurer Verfahren mit, etwa von Kreditkarten, weil diese in die allgemeinen Verkaufspreise einfließen.
Die Frage, wie eine Transaktion abgewickelt wird, ist somit weder neutral noch rein technischer Natur. Sie legt fest, wie hoch der tatsächliche Umsatz von Händler:innen ist, hat mittelbar Wirkung auf die Preisgestaltung und begünstigt oligopolistische Marktstrukturen, in denen beherrschende Marktakteure Überrenditen erzielen.
Wie hilft der digitale Euro?
Der digitale Euro setzt hier an, indem er Zahlungsinfrastrukturen günstiger macht und diese als öffentliche Infrastruktur statt als privates Oligopol bereitstellt. Im Gegensatz zu Deutschland verfügen viele europäische Länder über kein eigenes nationales Zahlsystem wie Giropay, sondern sind vollständig von privaten, meist außereuropäischen, Anbietern abhängig. Zusätzlich zu den hohen Kosten dieser Anbieter haben sie also erhebliche strategische Verwundbarkeiten in einer zunehmend fragmentierten und geopolitisch vermachteten Welt. Der digitale Euro als öffentlich bereitgestellte Zahlungsinfrastruktur könnte bei Zahlungen vor Ort und im Online-Handel eine ähnliche Rolle einnehmen wie SEPA für Überweisungen. Banken und Zahlungsanbieter könnten die Infrastruktur nutzen, um Transaktionen abzuwickeln und darauf basierende, kundenfreundliche Zahlungsdienste im Wettbewerb anzubieten.
Damit ist der digitale Euro auch einer privaten Lösung wie Wero vorzuziehen. Wero ist ein digitales Bezahlsystem, das aus einem Zusammenschluss europäischer Banken und Zahlungsdienstleister hervorgegangen ist. Wero verspricht, bestehende Konto-zu-Konto-Systeme über einen interoperablen Knotenpunkt zu vernetzen, sodass Transaktionen zwischen den Ländern ermöglicht werden. In Zukunft soll es bei Online-Zahlungen sowie beim Einkauf vor Ort flächendeckend zur Verfügung stehen und so den etablierten Marktakteuren Visa, Mastercard und PayPal Konkurrenz machen. So sehr das zu begrüßen ist, fällt diese neue privatwirtschaftliche Lösung jedoch in drei Aspekten hinter eine öffentlich bereitgestellte Lösung zurück.
Erstens bietet der digitale Euro rechtliche Sicherheit. Der europäische Gesetzgeber kann Händler:innen ab einer bestimmten Größe oder eines bestimmten Umsatzes zur Akzeptanz des digitalen Euros verpflichten und zudem dafür sorgen, dass alle Bürger:innen Zugriff haben – unabhängig davon, ob ihre Bank die Zahlungsmethode unterstützt oder nicht. Zweitens birgt Wero die Gefahr neuer oligopolistischer Konkurrenz mit hohen Renditen, Hürden für neue Markteintritte und geringer Innovationskraft. Und drittens, kann eine privatwirtschaftliche Lösung niemals die Dimension geostrategischer Souveränität erfüllen, die mit dem digitalen Euro einhergeht.
Fazit
Was für viele im Alltag wie ein kostenloser und reibungsloser Bezahlvorgang wirkt, kann in Wahrheit mit erheblichen Kosten verbunden sein. Diese Kosten bleiben jedoch weitgehend unsichtbar und führen dazu, dass teure Zahlungsarten durch günstigere mitfinanziert werden. Der Preis des digitalen Bezahlens ist damit nicht nur hoch, sondern auch intransparent und ungleich verteilt.
Mehr Transparenz über Gebührenstrukturen könnte dazu beitragen, dass Verbraucher:innen informiertere Entscheidungen treffen und zu einem fairen Wettbewerb zwischen Zahlungsdienstleistern führen. Andernfalls wird sich an bestehenden Marktstrukturen wenig ändern und marktbeherrschende Zahlungsanbieter können aufgrund starker Netzwerkeffekte weiter hohe Renditen erzielen.
Der digitale Euro bietet hier einen Ansatzpunkt: Als öffentlich bereitgestellte Zahlungsinfrastruktur könnte er nicht nur Kosten senken, sondern auch zu mehr Nachvollziehbarkeit beitragen. Er würde eine Grundlage schaffen, auf der Zahlungsdienste effizient, wettbewerblich und potenziell transparenter angeboten werden können – ohne die heutigen Abhängigkeiten von wenigen dominanten Anbietern. Der digitale Euro ist daher mehr als eine neue, weitere Zahlungsform: Er ist Europas Chance für eine sichere und kostengünstige digitale Zahlungsinfrastruktur.
Dieser Text basiert auf: Tobias Berg, Vincent Lindner & Denise Rößler (2026): Payments, Sovereignty, and Critical Infrastructure: The Strategic Case for the Digital Euro. SAFE Policy Letter No. 112.
Zitiervorschlag
Lindner, Vincent & Denise Rößler (2026): Der Preis des Bezahlens: Wie Visa, Mastercard und Co. Europas Zahlungsverkehr prägen – und was sich mit dem digitalen Euro ändern kann. In: eFin-Blog. https://zevedi.de/efinblog-der-preis-des-bezahlens-wie-visa-mastercard-und-co-europas-zahlungsverkehr-pragen-und-was-sich-mit-dem-digitalen-euro-andern-kann/ [13.05.2026]. https://doi.org/10.83253/c4ym-6q64.
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