
Regulierungsreallabore, oder kurz „Reallabore“, gehören zu den neuartigen prozeduralen, verwaltungsverfahrensrechtlichen und aufsichtstechnischen Werkzeugen zur Implementierung und erfahrungsbasierten Fortentwicklung der entstehenden KI-Governance und KI-Regulierung in Europa. Sie sollen erlauben, der KI als „moving target“ einen seinerseits anpassungsfähigen und auf regulatorisch-technischem Erfahrungswissen aufbauenden, seinerseits beweglichen Regulierungsrahmen gegenüber zu stellen. So räumt die EU-Gesetzgebung – namentlich der zum 1.1.2026 wirksam werdende AI Act – im Rahmen dieser Reallabore Unternehmen praktisch-technisch wie auch hinsichtlich möglicherweise kritisch betroffener Normen Experimentiermöglichkeiten ein. Hierbei werden sie eng behördlich betreut und beraten. Neben der Erprobung konkreter KI-Anwendungen im rechtlich privilegierten, engmaschig beaufsichtigten Rahmen sollen die Reallabore dabei in erster Linie der Generierung und Fortentwicklung KI-bezogenen Risikowissens und regulatorischer Lösungen dienen. Stichworte lauten Beratung, aber auch „Legal Sandboxing“. Eine Definition für das, was ein KI-Reallabor konkret ist und im Einzelnen leisten soll, bereiten die mit der Umsetzung der KI-VO betrauten Stellen der EU derzeit auf Grundlage der diesbezüglichen Regelungen der Art. 57 ff. AI Act vor.
Das Pilotprojekt „KI-Reallabor“ der Bundesnetzagentur in Zusammenarbeit mit der Bundesdatenschutzbeauftragten und dem Land Hessen erprobt mit ausgewählten Use Cases ein Verfahren zur Konzeptentwicklung eines praktikablen verfahrensrechtlichen Instruments für Deutschland. Das Adhoc-Vorhaben führt prozessbegleitende Studien durch und beteiligt sich mit ethischer und rechtswissenschaftlicher Expertise.
Projektleitung
Prof. Dr. Johannes Buchheim, LL. M. (Yale), Philipps-Universität Marburg | mehr Information
Prof. Dr. Petra Gehring, Technische Universität Darmstadt | mehr Information
Prof. Dr. Florian Möslein, Dipl.-Kfm., LL.M. (London), Philipps-Universität Marburg | mehr Information
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Laura Grosser, Technische Universität Darmstadt
Markus Schrenk, Philipps-Universität Marburg



