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Datenträger, Datendienste, Datenspuren: wissenschaftliche Bibliotheken und Verlage im digitalen Wandel

Beim Betreten von wissenschaftlichen Bibliotheken ist es oft nur schwer ersichtlich, welche umfassenden digitalen Angebote Bücherhäuser ihren Nutzer:innen bereits heute machen. Natürlich stellen sie neben klassischen Datenträgern wie Schriftwerken, Bildern, Tonbändern, Mikrofilmen und etlichen mehr auch digitale Medien bereit, aber das ist längst nicht alles: Insbesondere haben sich viele Bibliotheken zu kompetenten Begleiterinnen bei der Nutzung digitaler Forschungstechniken entwickelt und können Wissenschaftler:innen auf jeder Stufe ihres Arbeitsprozesses beraten und unterstützen. Beginnend bei Recherche und Datenmanagement über Schreibprozess und Publikation erarbeiten sie gemeinsam mit der einzelnen Wissenschaftlerin und dem einzelnen Wissenschaftler maßgeschneiderte Strategien – in direktem Kontakt und entsprechend den fachlichen und persönlichen Anforderungen.

Auch einige wissenschaftliche Verlage haben angesichts der Digitalisierung ihr Angebot angepasst und Dienste entwickelt, durch die der einzelne Forscher und die einzelne Forscherin in ihrem ganzen Arbeitsprozess Unterstützung durch digitale Produkte erhält. Anders als Bibliotheken, die nach wie vor auch als physische Orte den Kontakt zu menschlichen Ansprechpartner:innen und Expert:innen anbieten, lernen Verlage Wissenschaftler:innen aber durch Tracking kennen. Aus den Daten, die sie gewinnen, um die Nutzer:innen ihrer Produkte so gut wie möglich kennenzulernen, lassen sich umfassende Profile generieren, die nicht nur den Wissenschaftler:innen bei ihrer Arbeit dienen, sondern selbst zur Handelsware werden können – und auch Regierungen sind unter Umständen interessiert.

Katrin Stump ist Expertin für beide Welten: Die leitende Direktorin der Universitätsbibliothek Braunschweig ist Vorsitzende des Ausschusses für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme (AWBI) der DFG. Sie kennt daher nicht nur die Entwicklung der digitalen Bibliothek jenseits der mächtigen Bücherregale im Detail, sondern hat sich auch intensiv mit den neuen Geschäftsmodellen wissenschaftlicher Verlage auseinandergesetzt und mit dem AWBI im Mai 2021 ein Papier zum Datentracking in der Wissenschaft veröffentlicht, das als Weckruf verstanden werden kann. In der sechsten Folge des ZEVEDI-Podcasts erklärt sie, welche digitalen Angebote Bibliotheken heute machen, wie sie zustande kommen und zugänglich sind, aber auch, wie sich die Zusammenarbeit mit kleinen und großen Verlagen gestaltet. Mit den Gastgeberinnen des Digitalgesprächs – Marlene Görger und Petra Gehring – diskutiert sie außerdem die Ergebnisse des Informationspapiers des AWBI, und zeigt auf, welche Gefahren von aktuellen Praktiken großer wissenschaftlicher Verlage ausgehen und welche Entwicklungen notwendig sind, um Digitalität in der Forschungspraxis unter Wahrung der Freiheit von Wissenschaft wie auch der Person zu gestalten.

Folge 6: Digitalgespräch mit Katrin Stump von der Universitätsbibliothek Braunschweig, 3. August 2021



Weitere Informationen:
Zum Informationspapier „Datentracking in der Wissenschaft: Aggregation und Verwendung bzw. Verkauf von Nutzungsdaten durch Wissenschaftsverlage“ des AWBI der DFG :
https://www.dfg.de/download/pdf/foerderung/programme/lis/datentracking_papier_de.pdf


alle Folgen des Digitalgesprächs

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