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Steuerfahndung mit Künstlicher Intelligenz: Panama, Pandora und mehr

Mit Methoden „Künstlicher Intelligenz“ ist es heute möglich, große und größte Ansammlungen von Dateien ganz unterschiedlicher Formate zu vergleichen, zu systematisieren und auszuwerten. Ein Meilenstein auch für Ermittlungsbehörden: IT-Expert:innen können aus Datensätzen, die ohne technische Hilfsmittel für Fahnder:innen unmöglich zu sichten und auszuwerten wären, relevante Informationen herausfiltern und Zusammenhänge herstellen. Ein berühmtes Beispiel für einen solchen gigantischen Datensatz und seine erfolgreiche Bewältigung sind die sogenannten Panama Papers: Ein Datenleck und also eine „Steuer-CD“, die im Jahr 2016 etwa 11,5 Millionen Dokumente oder 2,6 Terabyte Daten enthielt, und weltweit Fälle von Steuerbetrug und Geldwäsche dokumentierte. Inzwischen sind etliche weitere solcher Leaks dazugekommen, etwa 2021 die nochmals umfangreicheren Pandora Papers. Für Steuerfahndung und Finanzaufsichtsbehörden bedeutete das, aus Millionen von Emails, Datenbanken, PDFs, Bildern und sonstigen Dateien diejenigen identifizieren zu müssen, die für die eigene Zuständigkeit relevant waren. KI hat die Verfolgung der in den Daten aufgedeckten Straftaten letztlich wohl überhaupt erst möglich gemacht, wobei sich die zugrundeliegenden Technologien seitdem sprunghaft weiterentwickeln. KI ist also ein mächtiges Instrument auch staatlichen Handelns, mit dem die Nadel im Heuhaufen leicht gefunden werden kann. In einem Rechtsstaat ist es umso mehr von entscheidender Bedeutung, für welche Zwecke der KI-Einsatz zum Zuge kommen darf.

Christian Voß ist Bereichsleiter der Forschungsstelle Künstliche Intelligenz (FSKI), die 2019 am Finanzamt Kassel eingerichtet wurde. Im Digitalgespräch erklärt der Informatiker und KI-Experte, wie diese Einrichtung zustande kam, welche Aufgaben sie hat und wie KI die Steuerfahndung unterstützt. Er beschreibt, welche Maßnahmen zur Auswertung von Leaks wie den Panama Papers nötig sind, wie Software-Lösungen für spezifische Problemstellungen entstehen, welches Wissen Fachkräfte brauchen und wie sein interdisziplinäres Team mit anderen Behörden und auch der Universität zusammenarbeitet. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Voß das Spannungsfeld zwischen Datenschutz und Strafverfolgung, den Mehrwert, den hier Open-Source-Lösungen bringen, und ob nicht nur die Kriminalität, sondern auch der Rechtsstaat durch den technischen Fortschritt im IT-Sektor herausgefordert ist.

Folge 49: Digitalgespräch mit Christian Voß von der Forschungsstelle Künstliche Intelligenz (FSKI) am Finanzamt Kassel, 26. März 2024
Weitere Informationen:

Zum dualen Studium Informatik mit Praxisschwerpunkt Steuerfahndung und IT-Forensik am Finanzamt Kassel: https://finanzverwaltung-mein-job.hessen.de/duales-studium/informatik-it-forensik-bsc

Link zur Webseite IT HESSEN: https://it.hessen.de/

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Folge 0: Digitalgespräch - ab dem 26. Mai 2021
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Lehren und Lernen nach der Pandemie: Der schwierige Umbau des digitalen Schulunterrichts

Die Digitalisierung in Einrichtungen des öffentlichen Sektors erfolgt unter anderen Voraussetzungen als digitale Neuerungen in der privaten Wirtschaft oder zuhause. Die Lücke zwischen dem, was technisch ganz offensichtlich längst möglich ist, und dem, was beispielsweise in öffentlichen Schulen umgesetzt wird, ist groß. Groß ist auch der Unmut, den manche Menschen darüber empfinden. Und wenn es um die Ausbildung und Zukunftschancen von Kindern geht, scheint eine Verbesserung des Status quo besonders dringlich. Die Pandemie hat gezeigt, dass unter dem Druck der Schulschließungen mit Ausnahmen und Sonderregelungen plötzlich sehr vieles möglich war, wo sich vorher jahrzehntelang nichts bewegte. Allerdings: Datenschutz und Datensouveränität sind nach wie vor wichtige Werte. Unsere Gesellschaft kann und sollte diese nicht einfach aufgeben – auch, wenn sich der Unterricht mit Microsoft Teams, WhatsApp, Zoom und Co. auf den ersten Blick besser digital aufwerten lässt, als etwa mit datenschutzkonformen Open Source-Lösungen und eigenen Rechenzentren. Wie kommen wir aus diesem Dilemma heraus?

Jan Marco Leimeister ist Professor für Wirtschaftsinformatik an den Universitäten Kassel und St. Gallen. Der Experte für Change Management und Innovationsprozesse hat neben der Arbeitswelt und Erwachsenenbildung auch die hessischen Schulen im Blick. Im Digitalgespräch berichtet er von Erkenntnissen aus seinen Beobachtungen – als Wissenschaftler, der Strukturen und Konfliktlinien identifiziert, und auch als Vater, der mit seinen Kindern in Singapur ein hohes Maß an Digitalisierung aller Lebensbereiche erlebt hat. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert er, wie Digitalisierung den Unterricht konkret aufwerten kann, wo die Verantwortung für diese Transformationsprozesse liegt – und ob uns Singapur bei der Digitalisierung in Schulen als Vorbild dienen kann.

Folge 39: Digitalgespräch mit Jan Marco Leimeister von der Universität Kassel, 18. Juli 2023
Weitere Informationen:

Zur Handlungsbroschüre „Einführung eines DSGVO-konformen Videokonferenzsystems an hessischen Schulen.“ aus dem gleichnamigen Projekt, das ist Podcast besprochen wird: https://kobra.uni-kassel.de/handle/123456789/14514

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